Gegründet 1947 Donnerstag, 20. Juni 2019, Nr. 140
Die junge Welt wird von 2198 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.06.2019, Seite 8 / Ansichten

Kredithai des Tages: Jeffrey Bezos

Von Efthymis Angeloudis
Amazon_Bezos_61570871.jpg
Einfach genial – Axel Springer-Award 2018 Preisträger Jeffrey Bezos

Manchmal möchte man doch glatt in den glänzenden Glatzkopf von Jeffrey Bezos blicken, um herauszufinden, wo der reichste James-Bond-Bösewicht (sorry, Elon Musk) all diese genialen Einfälle her hat, mit denen er sich ständig reicher und alle anderen ärmer macht. Zusammen mit der Chase Bank, die schon Nazideutschland finanziell aus der Patsche half und während des Zweiten Weltkriegs Einlagen von Juden im besetzten Frankreich einfror, bringt Bezos jetzt eine Kreditkarte für die Armen heraus. Mittellose können sich somit weiterhin mit Amazon-Müll vollramschen, während »Jeff« das »untere Ende« des Marktes auspresst. Denn die »Amazon-Card« ist für all diejenigen gedacht, die wegen niedriger Einkünfte oder alter Schulden eigentlich keine Kreditkarten von Banken mehr erhalten können.

In den USA ist das ein Riesenmarkt. Aber auch hierzulande bestimmen Schufa und Inkassounternehmen immer mehr, wer kreditwürdig ist und wer nicht – wer am Leben teilnehmen darf oder in die Zahlungsunfähigkeit verbannt wird. Denn von der Bonität hängt nicht nur ab, ob man auf die Malediven verreisen kann, sondern auch, ob man eine Mietwohnung kriegt oder ein Bankkonto eröffnen kann, um Gehalt oder Sozialleistungen ausbezahlt zu bekommen. Ist Bezos also ein Wohltäter und Philanthrop, der den Ärmsten unter uns wieder auf die Beine hilft? War der Axel-Springer-Award 2018 doch eine gerechtfertigte Huldigung an den Internetmessias? »Du sollst nicht Zinsen von ihm nehmen noch Wucher«, heißt es in der Bibel. Wenn man bei Bezos aufs Kleingedruckte schaut, kommt aber etwas Anderes raus: 28 Prozent Zins verlangt der Lex-Luthor-Imitator auf Einkäufe mit der Kreditkarte.

Wer diesen nicht zahlen kann, der könnte seine Schuld dann in einem Amazon-Lager oder einer Art Armenhaus abschuften. Wetten, dass dies die nächste geniale Bezossche Idee wird?

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Herbert Müller: Immer mehr Der Mensch denkt nicht logisch, weil er durch seine Gefühle geleitet wird und seine Logik danach ausrichtet. Wer also bedrucktes Papier hat (Geld), will meistens immer mehr. Die treibende Kraft im Kap...

Mehr aus: Ansichten