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Aus: Ausgabe vom 13.06.2019, Seite 16 / Sport
Rugby

Schicksalsspiel mit Ei

Samstag spielt die deutsche Rugby-Nationalmannschaft gegen Portugal
Von Oliver Rast
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Devise für die deutsche Rugby-Nationalmannschaft (hier in Weiß gegen Belgien): den Abstieg verhindern

Abstiegsspiele sind Schicksalsspiele – eine typische Redewendung im Sport, die selbstverständlich auch für die kraftraubende Rauferei ums Ei gilt. Die deutsche Nationalmannschaft der Männer im traditionellen 15er-Rugby geht kommenden Samstag aufs Feld, um sich ihren Verbleib in der höchsten europäischen Spielklasse Rugby Europe Championship (REC) unterhalb des seit 1893 ausgetragenen Six-Nations-Turniers (England, Frankreich, Irland, Italien, Schottland, Wales) zu sichern. Gegner in der Relegation ist Portugal, der souveräne Sieger der (zweitklassigen) Rugby Europe Trophy. Kick-off ist 14 Uhr auf der Sportanlage des frisch gebackenen deutschen Meisters SC Frankfurt 1880.

Die sportliche Bilanz der im Februar und März des Jahres ausgespielten REC war für die Rugger des Deutschen Rugbyverbands (DRV) einigermaßen ernüchternd: fünf Spiele, fünf Niederlagen, Rang sechs – Schlusslicht. Noch hinter den Belgiern, die teilweise höhere Niederlagen im Wettbewerb kassierten als die Deutschen, die Auftaktbegegnung gegen die »Schwarzen Adler« von Headcoach Mike Ford aber knapp für sich entscheiden konnten. Ungeschlagen blieb hingegen Georgien, das seinen elften Europameistertitel holte.

Vor ziemlich genau einem Jahr standen sich Deutschland und Portugal in der WM-Qualifikation schon einmal gegenüber. 16:13 (3:6) hieß es am Ende hauchdünn für den DRV in Heidelberg. DRV-Sturmtrainer Mouritz Botha weiß um die Stärken der Portugiesen: »Portugal strahlt immer eine Menge Gefahr mit seiner Hintermannschaft aus. Aber sie haben auch hart an anderen Aspekten ihres Spiels gearbeitet«, sagte er im Interview auf der DRV-Homepage. Das portugiesische Team werde durchweg konkurrenzfähig sein, warnt Botha.

Sind alle Akteure fit? Jens Beeskow, DRV-Pressesprecher, auf jW-Nachfrage: »Bislang keine Hiobsbotschaften! Stand heute sind alle nominierten Spieler einsatzbereit.« Der Kader für den Spieltag sei vom Trainerstab aber noch nicht benannt worden.

Sollte das Schicksal nicht mitspielen, was dann? Botha: »Wir wollen unser Rugby in den nächsten Jahren unbedingt weiterentwickeln und benötigen daher diese Spiele auf höchstmöglichem Niveau.« Ein Abstieg würde den deutschen Rugbysport zurückwerfen. Für DRV-Kapitän Sebastian Ferreira, der die Portugiesen wegen ihrer Siegesserie in der Trophy als leichten Favoriten sieht, wäre es schlicht »katastrophal, wenn das Team absteigen müsste«. Momentan seien viele junge Spieler im Kader, und gerade die würden davon profitieren, sich mit den Topteams messen zu können. Beeskow will sich nicht zu sehr mit dem Abstiegsszenario beschäftigen, auch wenn es zum Sport dazugehöre. Die Devise lautet klipp und klar: Abstieg verhindern!

Rugby ist hierzulande kein Zuschauermagnet. Bei Länderspielen kommen im Schnitt 2.000 Zuschauer. Der DRV startete deshalb Anfang der Woche eine Charmeoffensive mit moderaten Ticketpreisen, für »eine möglichst große und lautstarke Kulisse« zu sorgen. Letztlich wird derjenige siegen, »der es mehr will«, ist sich Ferreira sicher.

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