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Aus: Ausgabe vom 13.06.2019, Seite 15 / Medien
»Wettbewerb«

Digitalriese mischt Markt auf

Jobangebotsportale: Springer-Tochter spürt neue Konkurrenz »Google for Jobs«
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Mathias Döpfner, Vorstandschef der Axel Springer SE auf der Bilanzpressekonferenz der Medienriesen 2019

Die Jobbörse »Stepstone« der Axel Springer SE bekommt Gegenwind von dem Angebot des US-Marktriesen »Google for Jobs«. »Wir sehen bei Klicks, die von Google kommen, einen Rückgang«, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters vergangenen Donnerstag einen Sprecher des Portals. »Uns gelingt es derzeit, das mit anderen Marketingmaßnahmen oder über Social Media zu kompensieren.«

Die Springer-Tochter habe bereits 2018 bei der EU-Kommission Beschwerde eingereicht. Stepstone wirft dem US-Suchmaschinenbetreiber vor, Google for Jobs bevorzugt bei den Anzeigeergebnissen seiner Suchmaschine zu plazieren. »Dies geschieht durch Marktmacht. Wir halten das für wettbewerbswidrig«, betonte der Sprecher. Von Google war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Zuerst hatte die Wirtschaftswoche darüber berichtet.

Google for Jobs startete vor rund drei Wochen in Deutschland. Die Tochter des US-Konzerns Alphabet Inc. arbeitet dabei mit vielen Partnern zusammen, darunter auch Medien- und Verlagshäusern wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder Jobportalen wie »Xing«, »Linkedin« und »Monster«. Nutzer erhalten bei der Suche nach offenen Jobs eine Übersicht über Stellenanzeigen, die auf Partnerseiten veröffentlicht wurden. Per Klick auf eine Ausschreibung im oberen Teil der Google-Suchergebnisse werden weiterführende Informationen zu Job und Firma angezeigt. Mit Hilfe von Filtereinstellungen kann die Suche individuell angepasst werden.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hatten sich vor kurzem kritisch zum Start von Google for Jobs geäußert und auf die Gefahr von Missbrauch hingewiesen. »Wir vertrauen daher darauf, dass die Wettbewerbsbehörden das neue Angebot von Google genau beobachten und, falls nötig, eingreifen werden.«

Jüngst hatten Analysten des Bankhauses Berenberg erklärt, dass sich Google for Jobs negativ auf das Geschäft von Stepstone auswirken könnte – vor allem 2020. Springer liegt mit Google in mehreren Bereichen im Clinch. Die Preisvergleichsplattform Idealo des Medienkonzerns verklagt den Internetriesen bereits wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung als Suchmaschinenbetreiber.

Springer hatte im April mitgeteilt, man habe eine Schadensersatzklage auf rund eine halbe Milliarde Euro eingereicht. Zudem streiten sich Springer und andere Verlage beim sogenannten Leistungsschutzrecht mit Google über die Veröffentlichung von Pressetexten im Internet. (Reuters/jW)

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