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Aus: Ausgabe vom 13.06.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Aus der Reihe

Zu jW vom 1./2.6.: »›Wir müssen angriffslustiger werden‹«

Solange die Regierenden in Deutschland, welcher politischen Couleur diese auch immer sein mögen, die allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen nicht einzuführen gewillt oder fähig sind, haben sie in meinen Augen jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Deutschland ist nämlich das einzige Land weltweit, das bei diesem wichtigen Umweltthema aus der Reihe tanzt. Bisher hat es noch keine Regierung in Deutschland gewagt, Überlegungen in diese Richtung anzustellen. Es ist also deutlich, dass alle deutschen Regierungen bis dato der mächtigen Automobilindustrie hörig sind. Schluss muss sein mit ihrer Scheinheiligkeit im Hinblick auf die selbst definierten Klimaziele! (…) Es ist gerade in der aktuellen Debatte um so dringlicher, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung zum Wohle der Umwelt endlich kommt. Es geht dabei auch um das Ansehen Deutschlands in Europa, das schon jetzt ziemlich arg ramponiert ist!

Patrick A. Pfohl, Hamburg

Trauer und Wut

Zu jW vom 5.6.: »Pflegenotstand bleibt«

Schon 1991/92 haben in der Altenpflege die Schüler Stationen entlastet. Normalerweise sollten sie erst einmal einem Examinierten an die Seite gestellt werden. So war es dann auch in der Physiotherapie. Ich habe beide Berufe erlernt. Auch waren die Stellen nie so besetzt, wie es sein sollte. Wenige Leute arbeiteten viel. Schon damals stellte man gerne Leute aus Osteuropa ein, obwohl das Arbeitsamt in Heilhilfsberufen Umschulungen bezahlte. Waren halt billiger. Ich finde es nicht in Ordnung, dass man nun sagt, es sei kein Pflegepersonal da. Es ist da! Seinerzeit konnte man es sich aussuchen als »Arbeitgeber«. Es ist nur krank gemacht worden. Ich zum Beispiel bin wegen des Leistungsdrucks 2003 erkrankt. Bis heute. Deutschland hat sich seinen Pflegenotstand künstlich erschaffen. Es macht traurig und wütend, dass man nun Fachkräfte ranholen muss. (…)

Anne Conrad, Kassel

Langer Weg

Zu jW vom 6.6.: »Wenn der Walter mit dem Iwan«

Detlef Kannapins Rezension zu Andreas Petersens Buch »Stalintrauma« ist unstrittig ein guter Beitrag zur Auseinandersetzung mit den üblichen antisowjetischen, antikommunistischen Propagandawerken. Unverständlich und kritikwürdig ist allerdings, dass er dabei die alten, eindeutig widerlegten Falschaussagen zur Rechtfertigung der Stalinschen Fehlleistungen im Zusammenhang mit dem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion kolportiert. Es waren schließlich nicht »verschiedene Warnungen«, die die sowjetische Führung im Falle der faschistischen Kriegsvorbereitungen erhielt, sondern Mitteilungen der – zumindest was die der Gruppe Richard Sorges und die der Gruppe Sandor Rados anbetrifft – langjährig erprobtesten und erfolgreichsten Kundschaftergruppen der sowjetischen Auslandsaufklärung, die aufgrund der präzisen Kenntnis des Standes der faschistischen Angriffsplanungen sogar den Tag des Angriffs angeben konnten. Dass von dem bevorstehenden Angriff niemand wusste, ist daher falsch, genauso wie das Gerede von Stalins strategischen Überlegungen zu einem faschistischen Überfall auf die Sowjetunion. Seit der Veröffentlichung der »Erinnerungen und Gedanken« Georgi Schukows sind Aussagen dieser Art nur als Rechtfertigungspolemik zu bezeichnen. Wie Schukow darlegte, hatte er bereits bei seinem Antrittsbesuch als neuer Generalstabschef der Roten Armee vor der Parteiführung unmissverständlich auf die faschistischen Angriffsvorbereitungen hingewiesen und danach immer wieder die diesbezüglichen Informationen der militärischen Abwehr übermittelt und ab März massiv den Erlass des Dekretes über die Mobilisierung der Armee und die Herstellung der Verteidigungsbereitschaft gefordert, was bekanntlich nicht geschah. Dieses Dekret wurde tatsächlich erst erlassen, als die faschistischen Truppen bereits auf sowjetischem Boden standen. (…) Es scheint, dass es noch ein weiter Weg ist, bis sich in unseren Reihen glaubhafte marxistisch-leninistische Positionen zu unserer Geschichte durchgesetzt haben.

Reiner Hofmann, Panketal

Binsenweisheit

Zu jW vom 6.6. »Wir müssen uns mit den Konzernen anlegen«

Wiederholt können sich Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke wie Nicole Gohlke oder Lorenz Gösta Beutin in jW-Interviews äußern. Mich überrascht dabei, dass sie die Thematik »Rüstung und Krieg« im Rahmen der Klimadebatte nicht thematisieren wollen, obwohl doch 1,7 Billionen Euro jährliche Rüstungsausgaben desaströse Folgen für die Natur haben. Rüstungsproduktion als größten »Klimakiller« zu bezeichnen und zu thematisieren wäre für mich ein linker Beitrag zur Klimadebatte. Rüstungsproduktion ist unverantwortbarer Ressourcenverbrauch, ist hochgradiger Vorgriff auf Zukunft – eine ungeheure Verschwendung von Geldmitteln, die bei der Bekämpfung der vielen Umweltprobleme fehlen. Ist das keine Binsenweisheit? Sich mit den Konzernen anlegen: gute Idee! Die Abgeordneten könnten sich die Rüstungskonzerne vornehmen, weil diese als »militärisch-industrieller Komplex« (MIK) größte Nutznießer der Rüstungspolitik sind. Aufgrund einer Reihe von besonderen Umständen – kein Preiswettbewerb bei Waffen und Munition, kosten- und gewinnsteigernde Kalkulationsverfahren, hohe staatliche Finanzierungsleistungen – werden mit Rüstungsaufträgen erhebliche, weit über dem Durchschnitt liegende Profite erzielt. Der MIK lässt sich diese ergiebigen Profitquellen nicht nehmen. Eine klimapolitische Bewegung für Rüstungsstopp und Abrüstung würde mit größtem Widerstand der Rüstungskonzerne zu rechnen haben. Da werden auch neue Bündnisse zu schmieden sein. Werden die beiden Abgeordneten demnächst die Nettoprofitraten der großen deutschen Rüstungskonzerne untersuchen und skandalisieren?

Thomas Ewald-Wehner, Nidderau (Hessen)

Rüstungsproduktion als größten ›Klimakiller‹ zu bezeichnen und zu thematisieren wäre für mich ein linker Beitrag zur Klimadebatte. Da würden auch neue Bündnisse zu schmieden sein.