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Aus: Ausgabe vom 13.06.2019, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Fresenius-Tochter behindert Gewerkschaften

Verdi: Konzern geht in USA mit externen Beratern gegen Beschäftigtenvertretungen vor
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Firmensitz des Gesundheitskonzerns Fresenius in Bad Homburg (2.5.2019)

Global agierende Konzerne lassen bekanntlich keine Chance vergehen, Missstände in verschiedenen Ländern auszunutzen, um ihre Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen und Ängste zu schüren. Gewerkschaften konnten bis dato wenig gegen diese internationalen Ausweichmethoden der Bosse unternehmen. Die Mitarbeiter des Gesundheitskonzerns Fresenius wollten das ändern. 60 Vertreter von 21 Gewerkschaften aus 14 Ländern, darunter Verdi, schafften im Mai dieses Jahres ein internationales Bündnis der Beschäftigten von Fresenius (siehe jW vom 18.5.). Das erste Gewerkschaftsnetzwerk in einem multinationalen Konzern des Gesundheitswesens deckt nun die zwielichtigen Methoden von Fresenius in den USA auf.

Die Gewerkschaftsverbände werfen dem Medizinkonzern Fresenius vor, in den USA Gewerkschaften systematisch zu unterdrücken. In Dialysekliniken der Tochter Fresenius Medical Care (FMC) in Kalifornien seien Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden, sich nicht gewerkschaftlich zu organisieren, sagten David Boys und Alke Bösinger von den Dachverbänden PSI und UNI Global Union, die das Bündnis koordinieren, der dpa. »Es wurde mit Kündigung gedroht und Beschäftigte wurden in Einzelgesprächen in geschlossenen Räumen davor gewarnt, gewerkschaftlich aktiv zu werden.«

FMC habe in den USA externe Berater beauftragt, um in Betrieben Beschäftigtenvertretungen zu verhindern, sagte Cass Gualvez von der kalifornischen Gewerkschaft SEIU-UHW. Die Firmen hätten sich in Kliniken eingerichtet. »Sie fragen Mitarbeiter, warum sie eine Gewerkschaft gründen wollen und behaupten, gewerkschaftlich organisierte Kliniken müssten geschlossen werden.« Die Organisationen werfen FMC auch vor, in Stellenanzeigen nach Personalmanagern zu suchen, zu deren Aufgabe die »Vermeidung von Gewerkschaften« zähle (»Union Avoidance«).

Fresenius wies den Vorwurf des »Union Busting«, der systematischen Unterdrückung von Gewerkschaften, »entschieden« zurück und beteuerte, dass es die Vereinigungsfreiheit und das Recht eines jeden Arbeitnehmers auf Kollektivverhandlungen anerkennt. Allerdings beweisen Stellenausschreibungen des Dax-Konzerns, dass es sich dabei um eine glatte Lüge handelt. In einer Ausschreibung von FMC für einen Manager im Personalwesen in Knoxville heiße es etwa, er könne »Aktivitäten zur Vermeidung von Gewerkschaften« wie Trainings unterstützen. In anderen Stellenanzeigen für Personalmanager in Atlanta und Charlotte ist davon die Rede, er oder sie könne andere Manager anleiten, Gewerkschaften zu vermeiden.

Auch Gewerkschafter sind sich einig: Fresenius habe über Jahre Berater engagiert, um Gewerkschaften zu verhindern, berichten die Arbeitnehmervertretungen. Darunter sei die US-Kanzlei Cruz & Associates, zu deren Diensten nach eigenen Angaben gehört, »schnell und effektiv auf Aktivitäten von Gewerkschaften zu antworten«. Aus offiziellen Unterlagen gehe hervor, dass Fresenius mindestens 410.000 Dollar an Berater bezahlt habe, um Fortschritte bei der Gewerkschaftsorganisation zu beeinflussen.

Fresenius verwies auf das US-Arbeitsrecht. Dort sei es Arbeitgebern »ausdrücklich gestattet und üblich, die eigenen Mitarbeiter aktiv über gewerkschaftsbezogene Themen zu informieren«. FMC nutze »Fachwissen von Experten – in den eigenen Personalabteilungen und teils auch von Beratern, die mit den durchaus komplexen Arbeits- und Gewerkschaftsgesetzen in den USA vertraut sind«. Das sei »gängige und legitime Praxis«.

Global Union, PSI und Verdi kämpfen derzeit für eine globale Rahmenvereinbarung mit Fresenius, die in allen Betrieben grundlegende Rechte Gewerkschaften garantiere. Bisher gab es kein Entgegenkommen des Konzerns. (dpa/jW)

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