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Aus: Ausgabe vom 12.06.2019, Seite 8 / Abgeschrieben

Der Zweite Weltkrieg und die Verdrehungen des Westens

Gastbeitrag von Sergej Lawrow, Außenminister der Russischen Föderation, für das International Affairs Magazine: Der Zweite Weltkrieg und die Verdrehungen des Westens

Der Mai ist vorbei, Feuerwerk und Salutsalven sind verhallt, das Land und die Welt haben den Tag des Sieges gefeiert. Ein Fest der Frontveteranen, der Arbeiter, die im Hinterland die Industrie aufrechterhielten, unseres ganzen Volkes und anderer Siegernationen. Am Roten Platz fand eine majestätische Parade statt, am »Grabmal des Unbekannten Soldaten« wurden Kränze niedergelegt. (…) Hunderttausende russische Bürger, im Ausland ansässige Russen und Vertreter anderer Nationen haben daran teilgenommen – alle, für die das Andenken an den Sieg und an jene, die uns ihm näherbrachten, wertvoll ist.

Es steht noch ein Datum bevor: der 22. Juni, der Tag des Gedenkens und der Trauer für die Opfer des Großen Vaterländischen Krieges. Wir werden uns an diejenigen erinnern, die in den Kämpfen gefallen sind, in Gefangenschaft und in den Konzentrationslagern zu Tode gemartert wurden, vor Hunger und an den Lasten der Kriegszeit gestorben sind. Auch die Vorbereitung auf die Feier des 75. Jahrestages des Sieges im nächsten Jahr beginnt. Eine Feier, die zweifellos dem Maßstab der Heldentaten und dem großen Geist aller Helden jenes Krieges gerecht werden wird. Und es kommen unwillkürlich Gedanken auf: Was bedeutet der 9. Mai für die Völker, die an der Schwelle der Vernichtung standen? Und warum stößt er bei einigen auf so viel Missmut?

Für mich als Vertreter der ersten Nachkriegsgeneration, die mit den Erzählungen der Frontheimkehrer, den Familiengeschichten über den Krieg groß geworden ist, sind die Antworten auf diese Fragen klar. Die Völker der Sowjetunion und anderer Länder waren zum Objekt der menschenfeindlichen nazistischen Ideologie und danach auch Opfer einer Aggression durch die mächtigste, am besten organisierte und höchstmotivierte Militärmaschinerie jener Zeit geworden. Durch kolossale Opfer leistete die Sowjetunion den entscheidenden Beitrag zur Zerschlagung von Hitler-Deutschland und befreite Europa gemeinsam mit den Alliierten von der Nazipest. Der Sieg legte das Fundament für die Nachkriegsweltordnung, die auf kollektiver Sicherheit und Zusammenarbeit zwischen den Staaten beruhte, und öffnete den Weg zur Gründung der UNO. So sind die Tatsachen.

Doch leider ist gar nicht für alle in der Welt das Andenken an diesen Sieg heilig. Traurig ist, dass auch in Russland einige die Mythen aufgreifen, die von denjenigen verbreitet werden, die dieses Andenken gerne begraben würden, und glauben, dass es Zeit sei, auf die feierlichen Veranstaltungen zum Tag des Sieges zu verzichten. Je fortgeschrittener die Zahl der Jahrestage, desto häufiger stoßen wir auf historische Unkenntnis. (…)

Jene, die uns mit Missgunst ansehen, wollen die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg herabsetzen. Wenn sie die UdSSR auch nicht als Hauptschuldigen am Krieg darstellen, so doch als Aggressor auf gleicher Ebene mit Nazideutschland, und bringen immer wieder Thesen über die »gleiche Verantwortung« an die Oberfläche. Die nazistische Besatzung, die Dutzende Millionen Leben gekostet hat, die Verbrechen der Kollaborateure und die Befreiungsmission der Roten Armee werden auf zynische Weise gleichgesetzt. Den Handlangern der Nazis werden Denkmäler gesetzt.

Übersetzung: RT deutsch, 6. Juni 2019

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