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Aus: Ausgabe vom 12.06.2019, Seite 1 / Inland
Schutz sexueller Minderheiten

Verbot von Pseudotherapien

Bundesgesundheitsminister kündigt Gesetz zum Schutz Homosexueller an
Von Markus Bernhardt
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Religiöse Fundamentalisten behaupten, Schwule und Lesben »heterosexuell machen« zu können

Nach langer Zeit des Stillhaltens will die Bundesregierung nun endlich gegen sogenannte Konversionstherapien vorgehen. Am Dienstag kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin an, ein Verbot noch bis Ende dieses Jahres auf den Weg zu bringen. Dies sei »aus medizinischer Sicht geboten und rechtlich möglich«, sagte Spahn am Dienstag in Berlin. Jene Pseudotherapien, die sich vor allem bei evangelikalen Christen und anderen religiös motivierten Fundamentalisten großer Beliebtheit erfreuen, zielen darauf ab, Schwule und Lesben »heterosexuell zu machen«.

Bereits im April hatte der Minister zwei Gutachten zum Thema in Auftrag gegeben. Beide kommen zu dem Schluss, dass Konversionstherapien negative Folgen für die Betroffenen mit sich bringen. So stellt Peer Briken vom UKE Hamburg in seinem am Dienstag veröffentlichten Kurzgutachten fest, dass Homosexualität keine Krankheit ist und daher keiner Behandlung bedarf. Außerdem sei die Veränderbarkeit der sexuellen Orientierung von außen wissenschaftlich betrachtet höchst unwahrscheinlich. Das zweite, von Martin Burgi (LMU München) erstellte Gutachten zeigt zudem auf, dass ein Verbot besagter »Therapien« »verfassungsrechtlich möglich« ist. Dies war in der Vergangenheit von verschiedenen Politikern in Frage gestellt worden.

»Meine Haltung ist klar: Ich bin für ein Verbot dieser Therapien. Denn Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht therapiebedürftig«, stellte Spahn hingegen klar. Er kündigte zugleich an, dass das von ihm geführte Ministerium voraussichtlich Ende August und gemeinsam mit der »Bundesstiftung Magnus Hirschfeld« einen Abschlussbericht der Bestandsaufnahme veröffentlichen wird.

Die »Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität« hatte sich bereits in der vergangenen Woche mit einem Schreiben an verschiedene Bundestagsabgeordnete gewandt. Sie fordert darin, dass »Konversionsversuche« bei Transmenschen nicht anders behandelt werden dürfen als solche bei homosexuellen Personen und »zeitgleich verboten werden« müssen.

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