Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. Mai 2019, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Falsche Angebote

Zu jW vom 6.5.: »Paris will auf Balkan ­vorrücken«

Der Westen hat alle zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um den Staat Jugoslawien zu zerstören: kroatische Faschisten, islamistische Kämpfer in Bosnien, albanische Soldaten und UCK-Terroristen im Kosovo. Schließlich bombardierte die NATO Serbien und Montenegro. Die Krönung war die Gründung eines Staates an jeder UNO-Resolution und am Völkerrecht vorbei auf serbischem Gebiet, genannt Kosovo, um dort unter anderem illegal einen der größten US-Militärstützpunkte in Europa zu errichten. Das Problem des Westens ist auch 20 Jahre danach, dass zahlreiche Staaten sein illegales Vorgehen nach wie vor nicht einhellig billigen und Kosovo die internationale Anerkennung verweigern. Die einzige Möglichkeit einer Legalisierung dieses völkerrechtswidrigen Geschöpfs wäre eine freiwillige Anerkennung durch Serbien. Nachdem es jedoch bis heute dem Westen nicht gelungen ist, Serbien dazu zu bewegen, kommt Angela Merkel und Emmanuel Macron nun in den Sinn, im Schnellverfahren eine »Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sowie Verbesserung der Rechtsstaatlichkeit« auf dem »Westbalkan« erreichen zu wollen, mit dem Ziel einer Anerkennung der durch den NATO-Krieg geschaffenen Fakten vor Ort. Hin- und hergerissen, ob er den eingeschlagenen Weg in die »EU der Werte« weiterverfolgen oder auf seine enttäuschte Bevölkerung hören soll, hat der serbische Präsident Aleksandar Vucic bei einem Treffen in Beijing die Präsidenten Russlands und Chinas hinsichtlich ihrer Einstellung zur Kosovo-Frage konsultiert. Die Antwort war, dass kein Angriff auf Serbien akzeptiert werde, es müsse eine politische Lösung geben. Beflügelt davon, blieb der serbische Präsident resistent gegen die zu erwartenden Drohungen und wohlwollenden Empfehlungen. Macron wäre gut beraten, sich um die Probleme mit der neoliberalen Politik im eigenen Lande zu kümmern, statt mit falschen Angeboten die Agenda auf dem »Westbalkan« vorantreiben zu wollen.

Olivera Götz, per E-Mail

Für alle Mütter

Zu jW vom 7.5.: »Sowjetisches Ehrenmal in Berlin beschädigt«

Mit großer Empörung musste ich in der jW lesen, dass Unbekannte kurz vor den Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung eine der schönsten Skulpturen des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow mit schwarzer Farbe übergossen und damit geschändet haben. Die Skulptur »Mutter Heimat« steht stellvertretend für alle Mütter dieser Erde, die ihre Söhne durch Kriege verloren haben. Ich danke allen Helfern, die dazu beigetragen haben, dass diese Skulptur am 8. Mai wieder ihre Schönheit entfalten konnte.

Brigitte Topfstädt, Berlin

Selektive Aufzählung

Zu jW vom 8.5.: »Dank euch, Befreierinnen!«

Vielen Dank für die heutige Titelseite der jW zum Tag der Befreiung. Schade, dass im Text nur auf den »Massenmord an europäischen Juden, Kommunisten, Sinti und Roma sowie sexuellen Minderheiten« verwiesen wird, der am 8. Mai 1945 mit der Niederlage des deutschen Faschismus endete. Etwas einengend und selektiv, wie ich finde. Auch Sozialdemokraten, Christen, bürgerliche Demokraten und Humanisten, Freidenker und andere gehörten zu den Opfern. (…)

Michael Landmann, per E-Mail

Konvention respektiert

Zu jW vom 8.5.: »Dank euch, Befreierinnen!«

In der Roten Armee dienten keine »bewaffneten Sanitäterinnen«. Die Sanitätskräfte waren lediglich, wie laut Genfer Konvention erlaubt, mit leichten Waffen zur Selbstverteidigung ausgerüstet. Selbstverständlich hatten sie zudem die Aufgabe, neben den Verwundeten auch deren Waffen zu bergen. Das Sanitätswesen war in der Roten Armee etwas anders organisiert als in der »Wehrmacht«. Dadurch, dass die Sanis der kämpfenden Truppe auf dem Fuße folgten, brauchte diese sich nicht groß um ihre Verwundeten zu kümmern, konnten die Soldaten doch davon ausgehen, dass ihnen schnell geholfen wurde. Die Sanitäter trugen weiße Armbinden mit rotem Kreuz. Dadurch sollten sie besonderen Schutz genießen, worum sich die »Wehrmacht« allerdings selten scherte. Den so gekennzeichneten Sanis war es verboten, selbst am Gefecht teilzunehmen. Die UdSSR hatte die Genfer Konvention zwar nicht unterzeichnet, aber weitgehend respektiert, bei den Deutschen war es wohl andersrum: Es gibt Belege dafür, dass Sanitätsdienstgrade mit Rotkreuzbinde das Ritterkreuz und die Nahkampfspange erhielten.

Noch was zu den Rotarmistinnen: Zwar war auch in Stalins Sowjetunion die Gleichberechtigung festgeschrieben, doch in der Praxis blieb das Papier geduldig. Obwohl es mit Pilotinnen gute Erfahrungen gab und auch viele Bewerberinnen, wurden nur drei weibliche Fliegerregimenter aufgestellt, ein Jagdflieger-, ein Nachtbomber- und ein Schlachtfliegerregiment. Auch als Panzerfahrerinnen fanden sich nur wenige Frauen. Lediglich als Scharfschützinnen konnten sie noch von sich reden machen. (…)

Jürgen Marschall, Weimar

Fehlender Anstand

Zu jW vom 8.5.: »Dank euch, Befreierinnen!«

Ich habe am 8. und 9. Mai in allen mir zur Verfügung stehenden öffentlich-rechtlichen Medien nach Beiträgen gesucht, in denen der Tag der Befreiung vom Faschismus gewürdigt wird. Es ist eine Schande, dass ausgerechnet Deutschland als Verursacher des Zweiten Weltkrieges so wenig Anstand hat und diesen bedeutungsvollen Tag ignoriert. Deutsche Politiker gefallen sich regelmäßig in wohlfeilen Worthülsen über ihre historische Verantwortung. Gemessen werden wir an unseren Taten. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass braune Rattenfänger heute wieder dabei sind, offen faschistisches Gedankengut zu propagieren, sollte es Aufgabe aller sein, des Tages zu gedenken, an dem es gelang, Nazideutschland zur Kapitulation zu zwingen. Dass daran die Rote Armee den entscheidenden Anteil hatte, ist als geschichtliche Tatsache festzuhalten, auch wenn das den politisch Verantwortlichen in diesem Land nicht gefällt. (…)

André Harzer, Aue

Es sollte Aufgabe aller sein, des Tages zu gedenken, an dem es gelang, Nazideutschland zur Kapitulation zu zwingen, woran die Rote Armee entscheidenden Anteil hatte.