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Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Briefkastenfirmen

Razzia wegen »Panama Papers«

Tochtergesellschaft der Deutschen Bank soll an Steuerbetrug beteiligt gewesen sein. Elf Geldinstitute und acht Privatleute im Visier
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Eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank soll im Auftrag von Kunden Briefkastenfirmen gegründet haben

Drei Jahre nach den Enthüllungen der sogenannten Panama Papers sind Ermittler am Mittwoch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung zu einer bundesweiten Großrazzia ausgerückt. Die Behörden durchsuchten die Wohnräume von acht vermögenden Privatpersonen, elf Banken und Sparkassen sowie die Geschäftsräume von vier Steuerberatern, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte.

Justiz und Steuerbehörden haben die Privatleute im Verdacht, über eine frühere Gesellschaft des Deutsche-Bank-Konzerns Briefkastenfirmen gegründet und Steuern hinterzogen zu haben. Die Vorgänge waren in Zuge der Veröffentlichung der »Panama Papers« bekanntgeworden.

Die Ermittler machten keine Angaben dazu, welche Geldhäuser durchsucht wurden. Betroffen waren die Geschäftsräume von insgesamt elf Instituten in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Erding, Frankfurt am Main, Köln und Trier. Wohnräume von Privatpersonen wurden in Bad Tölz, Erkrath, Hamburg, Konz, Simmerath und auf Sylt durchsucht. Beteiligt waren auch Beamte des Bundeskriminalamts (BKA), des Landeskriminalamtes Hamburg, der Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main und verschiedener Finanzämter.

Die aktuelle Razzia steht den Angaben zufolge im Zusammenhang mit Durchsuchungen bei der Deutschen Bank im vergangenen November. Damals hatten die Ermittler nach eigenen Angaben zahlreiche Geschäftsunterlagen in schriftlicher und elektronischer Form sichergestellt.

Die acht Personen im Fadenkreuz der Behörden sollen jeweils mit Hilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft der Deutschen Bank auf den britischen Jungferninseln Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet haben, um Kapitalerträge vor dem deutschen Fiskus zu verbergen und somit Steuern zu hinterziehen. Die Deutsche Bank wollte die neuen Durchsuchungen zunächst nicht kommentieren. (Reuters/dpa/jW)

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