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Aus: Ausgabe vom 16.05.2019, Seite 7 / Ausland
Kolumbien

Kein Ende des Mordens

Kolumbien: UNO zählt 51 Morde an Menschenrechtsaktivisten seit Jahresanfang
Von Julieta Daza
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FARC-Mitglieder demonstrieren am 13. März 2019 in Bogotá gegen die anhaltende Verfolgung in Kolumbien

Luis Manuel Salamanca Galindez war Antrophologe und arbeitete im Departamento Huila im Westen Kolumbiens. Am 11. Mai wurde der 64jährige, der sich kulturpolitisch engagiert hatte, in der Nähe seines Hauses von zwei Männern erschossen. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza nahm das Verbrechen zum Anlass, um auf die Verfolgungen im Nachbarland aufmerksam zu machen: »Als sozialer Aktivist in Kolumbien tätig zu sein, ist fast ein Todesurteil.«

Arreaza hat recht: Allein seit Donnerstag letzter Woche wurden kolumbianischen Medienberichten zufolge neben Salmanca Galindez mindestens drei weitere Menschen ermordet. Am 9. Mai starb im Nordosten Kolumbiens der Filmemacher Mauricio Lezama. Der 38jährige befand sich gerade bei Dreharbeiten für einen Film über Kriegsopfer. Er wollte Überlebende der Unión Patriótica (UP) interviewen. Diese linke Partei war in den 1980er und 90er Jahren physisch nahezu ausgerottet worden, etwa 5.000 ihrer Mitglieder wurden ermordet.

Am 10. Mai starb der 24jährige Arzt Cristian Camilo Julio Arteaga, der in einem Krankenhaus in dem Dorf El Bagre arbeitete. Der vierte Mord ereignete sich am 11. Mai in der Region Guaviare. Das Opfer war Gionvany Murillas, ein früheres Mitglied der Guerillaorganisation FARC-EP, die im Jahr 2016 ein Friedensabkommen mit der damaligen Regierung von Präsident Juan Manuel Santos eingegangen war. Murillas war an der Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpfer in das zivile Leben aktiv beteiligt.

Kongressabgeordnete der aus dem Friedensprozess hervorgegangenen Partei FARC kritisierten via Twitter, dass in der Region, in der Murillas ermordet wurde, immer wieder Flugblätter verbreitet werden, in denen frühere Guerilleros und Mitglieder sozialer Organisationen von den Paramilitärs der »Autodefensas Gaitanistas de Colombia« (AGC) bedroht werden. Seit Unterzeichnung des Friedensabkommens Ende 2016 sind bereits über 130 Anhänger der früheren FARC-EP ermordet worden.

Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 wurden 51 Morde an Menschenrechtsaktivisten registriert. Diese Zahl nannte Rupert Colville, Sprecher der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, am 10. Mai bei der Vorstellung eines offiziellen Berichts über die Lage in Kolumbien. In diesem wird beklagt, dass sich die systematische Verfolgung Andersdenkender in dem südamerikanischen Land zu verschlimmern scheint. Betroffen seien vor allem Basisaktivisten in den Gemeinden, auf die 70 Prozent der Morde fallen, aber auch indigene und afrokolumbianische Gruppen, Umweltschützer, Bauern, Journalisten, Aktivisten der LGBTI-Bewegung, Mitglieder von Menschenrechtsgruppen und Frauenorganisationen. Einige wurden verfolgt, weil sie sich für die Umsetzung wichtiger Bestandteile des Friedensabkommens – zum Beispiel die Rückgabe von Grund und Boden an vertriebene Bauern oder die Rechte der Opfer des Krieges – eingesetzt hatten.

Der UN-Bericht hebt auch die Stigmatisierung von Aktivisten vor allem in den ländlichen und sozial benachteiligten Regionen hervor. Weiter heißt es darin: »Wir rufen die kolumbianischen Behörden dazu auf, wirksame Maßnahmen gegen die Drohungen und Angriffe auf führende Mitglieder der Zivilgesellschaft und gegen die Straflosigkeit, die in diesen Fällen meistens herrscht, zu treffen«.

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