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Aus: Ausgabe vom 15.05.2019, Seite 15 / Antifa
Judenverfolgung in Bremen

»Dienstleister« der Nazis

Chef von Bremer Speditionskonzern relativiert Rolle bei »Arisierungen«
Von Kristian Stemmler
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An der Spitze von »Kühne und Nagel« schaut man nicht auf zurück auf die eigene Geschichte

Am Weserufer in Bremen entsteht derzeit die neue Zentrale der Speditionsfirma »Kühne und Nagel« in der Bundesrepublik. Dem Unternehmen hat der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) beim Richtfest am 16. April auf den Weg gegeben: »Machen Sie so weiter, wie Sie es in Ihrer gesamten Firmengeschichte gemacht haben.« – ein Satz, der angesichts eines Teils besagter Firmengeschichte ein Hohn für Naziopfer ist. Vertreter der Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen kritisierten die Äußerung des Bürgermeisters entsprechend scharf. Denn gerade die Aktivitäten von »Kühne und Nagel«, der heute drittgrößten Spedition der Welt, zwischen 1933 und 1945 sorgten in den vergangenen Monaten in Bremen für Diskussionen.

Die Firma war in der Nazizeit ein Hauptprofiteur der so genannten »Arisierung« jüdischen Eigentums, und ihr kam unter anderem eine Schlüsselrolle bei der so genannten »M-Aktion« des faschistischen Regimes zu. Dabei wurde bis August 1944 in Frankreich und den Benelux-Ländern die Inneneinrichtung von rund 65.000 Wohnungen geflohener oder deportierter Juden abtransportiert. Bei der Umsetzung half »Kühne und Nagel«, das nach 1945 weiter wirtschaften konnte und zu einem Konzern heranwuchs.

Kurz vor dem Richtfest der neuen Deutschlandzentrale an der Wilhelm-Kaisen-Brücke befestigten Aktivisten unterhalb des Neubaus ein Banner mit der Aufschrift »Auf Raub gebaut«. Der heutige Reichtum der Speditionsfirma basiere auf der »Mittäterschaft an den nationalsozialistischen Verbrechen«, teilten die Urheber per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Tatsächlich wird man bei »Kühne und Nagel« nicht so gern an die dunkle Vergangenheit erinnert. Firmenpatriarch Klaus-Michael Kühne, auch als Sponsor des Hamburger SV bekannt, erklärte am Rande des Richtfestes gegenüber dem NDR-Lokalmagazin »Buten un binnen«, er habe kein Verständnis dafür, dass das Thema »immer wieder hochgekocht wird«. Die Firma sei »damals Dienstleister gewesen und musste so etwas machen«. Das sei »der Zwang des Krieges« gewesen. Mittlerweile haben Bremens Politiker beschlossen, ein Denkmal für die Opfer der »Arisierung« zu errichten. Allerdings soll es nicht direkt vor dem Neubau des Konzerns, sondern ein ganzes Stück entfernt aufgestellt werden – auf Druck der Firma, wie Kritiker meinen.

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