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Aus: Ausgabe vom 14.05.2019, Seite 7 / Ausland
Syrien

Angriff auf Idlib

Syrische Armee und russische Luftwaffe attackieren Stellungen von Dschihadisten
Von Karin Leukefeld
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Inspektion eines durch Bomben zerstörten Gebäudes am 7. Mai in Sarakeb

Der UN-Sicherheitsrat in New York hat sich am Freitag (Ortszeit) hinter verschlossenen Türen mit der Lage in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens befasst. Die Armee hatte dort Anfang Mai mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine Offensive gegen islamistische Terrorgruppen begonnen. Seit Januar 2019 wird die Provinz von der Haiat Tahrir Al-Scham (HTS, Allianz zur Eroberung von Syrien) kontrolliert, einer aus der Nusra-Front entstandenen Al-Qaida-Organisation in Syrien.

Die Sondersitzung des Sicherheitsrates war von der »humanitären Troika« aus Belgien, Deutschland und Kuwait beantragt worden. Ein Vertreter der UN-Organisation für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) erstattete den Diplomaten Bericht, die Öffentlichkeit war nicht zugelassen. Eine gemeinsame Erklärung kam nicht zustande. Der russische UN-Botschafter Wladimir Safronkow erklärte das gegenüber der Nachrichtenagentur TASS damit, dass die »humanitäre Troika« in der von ihr vorgelegten Erklärung die Lage in Idlib nicht richtig dargestellt habe. Man müsse die Situation »mit Fakten und Karten in der Hand« besprechen, so Safronkow, um die »begrifflichen Gräben« beim Verständnis der Situation in Idlib zu überwinden.

Eine im September 2018 zwischen Russland, dem Iran und der Türkei (Astana-Gruppe) vereinbarte temporäre »Pufferzone« um die Provinz Idlib sollte ursprünglich ein bis zu 20 Kilometer breites Gebiet zwischen Idlib und den benachbarten Provinzen Aleppo, Hama und Latakia schaffen, aus dem sich die Kampfverbände unter türkischer Überwachung zurückziehen sollten. Nach sechs Monaten wurde die Lage, wie vorgesehen, neu bewertet, und es wurde festgestellt, dass sich die Kampfgruppen in der »Pufferzone« eingegraben und ihre Bewaffnung verstärkt hätten. Der Beschuss von Orten und Armeestellungen in Latakia, Hama und Aleppo hatte zugenommen, die Bevölkerung musste fast täglich mit dem Einschlag von Raketen und Mörsergranaten rechnen.

Am 4. Mai teilte Generalmajor Wiktor Kubtschischin vom »Russischen Zentrum für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« mit, dass die HTS Kampfverbände im Süden der »Pufferzone« zusammengezogen habe, ein Großangriff auf die Provinz Hama sei nicht ausgeschlossen. Die russische Luftwaffenbasis Hmeimim bei Latakia wurde zweimal von den HTS- und anderen Kampfgruppen mit bewaffneten Drohnen angegriffen. Noch am gleichen Tag begannen die russische und syrische Luftwaffe als auch die syrische Armee mit einer Offensive auf Stellungen der Kampfgruppen in Idlib.

Westliche Staaten und Medien bezeichnen die Region als »letztes Rebellengebiet« und warnen – wie bereits im Sommer 2018 – vor einer humanitären Krise. Die Türkei hat ihre Grenzen für Flüchtlinge aus Idlib geschlossen. Nach Angaben der syrischen Opposition und der »Beobachtungsstelle für Menschenrechte« in Großbritannien bombardierten Syrien und Russland Schulen und Krankenhäuser. 150.000 Menschen sollen vor den Kämpfen geflohen sein. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete in ihrer Wochenendausgabe von einem Frühwarnsystem, das von Deutschland nach Idlib geliefert worden sei. Dank dieser Technologie sei mindestens ein unterirdisches Feldlazarett rechtzeitig evakuiert worden.

Die syrische Armee teilte auf jW-Anfrage mit, dass die Kampfverbände der HTS ihre Kommandozentralen gezielt in leergeräumten Schulen und Kliniken eingerichtet hätten. Nur genau aufgeklärte Ziele, von denen Angriffe ausgegangen oder kommandiert worden seien, würden von der syrischen Armee angegriffen. Die Zivilbevölkerung sei nicht das Ziel.

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