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Mehr Staatsknete für E-Autos

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
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»Wir betreiben hier keinen russischen Kollektivismus. Dies ist ein privates Projekt mit staatlicher Unterstützung«, sagte der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. Er stellte Anfang des Monats in Paris zusammen mit seinem deutschen Amtskollegen Peter Altmaier ein gemeinsames Projekt zur Herstellung von Batterien für Elektroautos vor. Beteiligt sind PSA (die französische Muttergesellschaft von Opel), Siemens, das belgische Chemieunternehmen Solvay und der französische Batteriehersteller Saft. 1,2 Milliarden Euro sollen aus den beiden Staatshaushalten in den Bau von drei Batteriefabriken sowie zugehörige Forschung gesteckt werden. Le Maire hatte wohl im Überschwang vergessen, dass es in Russland seit nunmehr fast dreißig Jahren mit dem Kollektivismus nicht mehr so weit her ist. Aber den Segen der EU-Kommission hat er sich für diese staatliche Subvention geholt, denn die kann als »Hüterin der EU-Verträge« staatliche Beihilfen normalerweise nicht dulden, weil die nach Sozialismus riechen.

Die Gefahr kommt aber, das weiß mittlerweile jedes Kind, nicht aus Russland, sondern aus China. »Nur drei Prozent der weltweiten Batteriefertigung« entfielen derzeit auf die Europäer, warnte Le Maire, während Altmaier nickte. Dass mit den staatlich geförderten Batteriefabriken der große Aufschwung der Elektroautos in Frankreich und Deutschland kommt, darf noch bezweifelt werden. Dass er aber kommen muss, wissen die Spitzenmanager der Autokonzerne. Schließlich hat der Europäische Rat auf ihre Empfehlung hin eine Senkung des Durchschnittsverbrauchs der von ihnen hergestellten Autos bis 2023 beschlossen. Das ist nun Gesetz. Es kann – unter der unabdingbaren Nebenbedingung steigender Absatzzahlen und Profite – nur dann erfüllt werden, wenn massenhaft Elektroautos zusätzlich in den Markt gedrückt werden. Der Energieverbrauch von Elektroautos wird schließlich mit null abgerechnet, und jedes produzierte Elektroauto macht den Planeten damit also noch grüner.

Herbert Diess, Vorstandschef bei VW, weiß allerdings, dass die Kundschaft noch nicht wirklich begeistert ist von den tollen Zukunftsfahrzeugen, und vermutet mit dem wachen Instinkt des Autoverkäufers, dass geringe Reichweiten, superlange Ladezeiten und hohe Preise für Misstrauen sorgen. Bei einer Verkaufsaktion für den Elektrokleinwagen »ID.3«, der im nächsten Jahr – hoffentlich – gebaut wird, räumte er diese kleinen Schwächen ein. Man muss eben gleich die Zukunft verkaufen, wie der heitere US-Milliardär Elon Musk, dessen Tesla-Fahrzeuge leider aktuell nicht mehr ganz so flotten Absatz finden, weil die US-Regierung den Zuschuss pro gekauftes E-Auto unverantwortlicherweise von 7.000 auf 3.750 Dollar reduziert hat. Man mag sich gar nicht ausmalen, was alles nicht passiert, wenn unsere Regierung nicht dafür sorgt, dass deutschlandweit ein Ladenetzwerk für E-Autos mit freundlicher finanzieller Regierungsunterstützung errichtet wird. Noch mal VW: Die Firma will laut Diess in fünf Jahren neun Milliarden Euro in die Fahrzeuge neuen Typs investieren – also fast ein Drittel dessen, was sie an Strafen für ihre Dieselvergehen in den USA abgedrückt hat. Wer so viel Geld den Aktionären vorenthält, sollte vom Staat nicht enttäuscht oder gar fallengelassen werden. Ob das E-Auto fürs Klima gut ist, darf da keine Rolle spielen.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Emil Schaarschmidt: Riesenprofite E-Mobilität ist kein Risiko, sondern sichert Riesenprofite! Insbesondere die geplante Einführung einer CO2-Steuer und deren Umlage auf fossile Kraftstoffe ist ein ökomonischer Hebel, der dazu führt, d...
  • Andreas Rösler: Keine Zukunft Jedes Kind weiß, dass es keine Zukunft hat, das E-Auto! Die Herstellung von Batterien lässt sich für mich auch schlecht mit Grün verkuppeln. Im Gegenteil, Dreck, und die Herstellung eines Pkw sowieso....

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