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Aus: Ausgabe vom 09.05.2019, Seite 8 / Ansichten

Pferd des Tages: Black Beauty

Von Michael Saager
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Kommt Black Beauty in die Bar, fragt der Barkeeper, hey, warum so ein langes Gesicht? Weil Andrea Nahles deine deutsche Synchronsprecherin ist? Kleiner Scherz. Und derzeit steht ja sowieso erst fest, dass die klugen Gedanken dieses – neben Mr. Ed und Fury – äußerst prominenten Pferdes von der großen britischen Schauspielerin Kate Winslet wiedergegeben werden. »Gras, Gras, immer nur Gras, scheiß Gras, verdammt!«

Eine millionenschwere Neuverfilmung ist jedenfalls nicht wenig, wenngleich die Wahl des Disney-Konzerns, die Wahl Winslets, nicht so richtig stimmig scheint. Schließlich ist Black Beauty ein rassiger schwarzer Hengst – zumindest in der Romanvorlage der britischen Autorin Anna Sewell aus dem Jahr 1877. »Black Beauty: The Autobiography of a Horse« blieb ihr einziger Roman, und der ist wesentlich ernster zu nehmen als etwa die schreckliche Verfilmung mit Uschi Glas aus dem Jahr 1971, die der Autor glücklicherweise in sehr blasser Erinnerung hat – im Gegensatz zu seinen traumatischen Reiterfahrungen mit dem hochgradig bissigen Pony Billie auf dem Reiterhof Dill in den 80ern. Ein aus Angst geborenes Missverständnis, diese Ferienreiterei. Pferdemädchen überall, selig lächelnd dreckige Hufe auskratzend. Und dann diese riesigen, stinkenden, garstigen Tiere. Aber ich schweife ab. Wahr ist freilich, Reiten ist der gefährlichste Freizeitsport, noch vor Boxen.

Black Beautys Erfinderin Sewell indes waren ganz andere Dinge wichtig. Ihr Roman erzählt die Leidensgeschichte des Pferdes, dessen Leben als behütetes Fohlen hoffnungsvoll beginnt. Danach geht’s schlimm bergab. Black Beauty wird ausgebeutet, gequält, kaum gefüttert, erblindet beinahe. Sewell hatte die damalige Tierhaltung, insbesondere das Schicksal der bedauernswerten Kutschpferde im Blick. Und Hollywood? Erzählt eine kindgerechte Kindergeschichte. Garantiert.

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