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Aus: Ausgabe vom 09.05.2019, Seite 6 / Ausland
Kolumbien

Aktivisten in Lebensgefahr

Verfolgung von Linken, Indígenas und Umweltschützern in Kolumbien nimmt kein Ende
Von Julieta Daza
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Demonstration für den Frieden und gegen die Verfolgung von Aktivisten am 29. April in Bogotá

Francia Márquez, eine Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin aus Kolumbien, will den Kampf nicht aufgeben. »Es ist nötig weiterzukämpfen für ein Land, in dem man in Frieden leben kann und in dem die Verfolgung und Ermordung von Aktivisten nicht die Regel ist«, sagte sie am Dienstag (Ortszeit) dem Onlineportal Kienyke. Sie selbst werde immer wieder bedroht, wolle sich aber nicht unterkriegen lassen.

Auch Víctor Hugo Moreno, Präsident einer Organisation von Gemeinderäten in der Cauca-Region im Südwesten Kolumbiens, prangerte Drohungen gegen ihn an. So steht in einer Nachricht, die er über SMS bekam, dass das, »was am Samstag geschah«, nur »der Anfang der Vernichtung von euch allen« sei. »Nächstes Mal werden alle Mitglieder eurer Organisationen sterben«, heißt es weiter, dann werden die Namen mehrerer Aktivisten aufgelistet, die konkret bedroht werden.

Die Drohung bezieht sich auf einen Überfall, den vier schwerbewaffnete, bislang jedoch nicht identifizierte Männer am Samstag auf eine Versammlung verübt hatten, an der auch Márquez und Moreno teilgenommen hatten. Zwei Leibwächter wurden verletzt, die beiden Aktivisten blieben körperlich unversehrt. Insgesamt befanden sich einem Bericht des Internetportals Prensa Rural zufolge 25 Menschen am Ort des Geschehens, unter ihnen auch zwei Kinder.

Die Aktivisten hatten sich in den vergangenen Wochen an den als »Minga« bekannten Protestaktionen von Bauern und indigenen sowie afrokolumbianischen Gemeinden beteiligt, die für das Recht auf Leben, Grund und Boden, Gerechtigkeit und Frieden eintreten. »Minga« ist eine Bezeichnung der indigenen Gemeinschaften für gemeinschaftliches Arbeiten und Handeln, wird von ihnen aber auch für Demonstrationen benutzt. Ihr Treffen am Wochenende hatte der Vorbereitung auf eine Verhandlungsrunde gedient, zu der die Oppositionellen am Mittwoch (Ortszeit) mit Regierungsvertretern zusammenkommen wollten. Trotz der Attacke halte man an dem Gespräch fest, sagte Moreno gegenüber junge Welt. Es werde jetzt aber auch um die Notwendigkeit gehen, die Täter zu ermitteln und die Sicherheit der Aktivisten zu gewährleisten.

Am Sonntag hatte Kolumbiens Präsident Iván Duque über Twitter den »Terroranschlag« gegen die Aktivisten verurteilt. Er habe bereits Kontakt mit Francia Márquez aufgenommen, außerdem seien Streitkräfte, Polizei und Vertreter der Staatsanwaltschaft vor Ort, um die Lage aufzuklären und die Schuldigen zu ermitteln.

Eine solche Reaktion des Staatsoberhaupts auf die Verfolgung von Oppositionellen ist selten, obwohl Anschläge wie dieser in Kolumbien kein Einzelfall sind. Verfolgung und Ermordung von Aktivisten finden systematisch statt. Doch Márquez ist bekannt. Im vergangenen Jahr wurde sie in den USA mit dem »Goldman-Umweltpreis« ausgezeichnet, der auch als »Umwelt-Nobelpreis« bezeichnet wird und ihr internationale Bekanntheit verschafft hat.

In vielen Fällen sind paramilitärische Gruppen für die Verbrechen verantwortlich, oft stecken aber auch Angehörige der kolumbianischen Streitkräfte hinter den Überfällen. Mit den Attacken sollen nicht nur die unmittelbar Betroffenen verletzt oder getötet werden. Es geht auch darum, andere Aktivisten einzuschüchtern und so deren politische, soziale und organisatorische Arbeit zu beeinträchtigen.

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