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Aus: Ausgabe vom 09.05.2019, Seite 5 / Inland
Konzerne

Im Dienste des Vorstands

IG Metall stimmt Kürzungsprogramm bei Siemens zu 20.000 Mitarbeiter müssen gehen
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Siemens-Firmensitz in München

Siemens plant sein Kraftwerkgeschäfts abzuspalten. Laut Gewerkschaftsangaben sind hiervon in Deutschland fast 20.000 Mitarbeiter an 20 Standorten betroffen. Wie die IG Metall am Mittwoch mitteilte, stimmten die Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat den Plänen angesichts der »wirtschaftlichen Gesamtsituation« zu. »Es entsteht ein Unternehmen, das trotz mancher Unwägbarkeiten insgesamt die besseren Perspektiven für die Beschäftigten bietet«, erklärte Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und Mitglied im Siemens-Aufsichtsrat.

Für ihre Zustimmung setzten Betriebsrat und Gewerkschaft den Angaben zufolge einige Bedingungen durch. Demnach wird das künftge Unternehmen seinen Firmensitz in Deutschland haben. Das Abkommen zur Standort- und Beschäftigungssicherung schließe betriebsbedingte Kündigungen aus. Auch bleibe das Unternehmen tarifgebunden, übernehme die betriebliche Altersversorgung und behalte sämtliche Mitbestimmungsstrukturen, wie die IG Metall mitteilte.

Siemens veröffentlichte am Mittwoch neue Unternehmenszahlen. Demnach stieg der Umsatz im zweiten Quartal um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 20,9 Milliarden Euro. Der Gewinn ging um fünf Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück. »Wir haben auch in diesem Quartal geliefert, was wir versprochen haben, und in weiten Teilen die Erwartungen sogar übertroffen«, sagte Vorstandschef Josef Käser.

Dabei sanken die Umsätze der Kraftwerksparte um vier Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Die Windkraft-Tochter Siemens Gamesa konnte den Umsatz hingegen um sieben Prozent auf 2,4 Milliarden Euro steigern. Siemens hatte am Dienstag angekündigt, seine angeschlagene Kraftwerksparte »Power and Gas« an die Börse bringen zu wollen. Dafür soll die Sparte mit Siemens Gamesa fusionieren. Nach der Abspaltung soll die neue Firma 80.000 Mitarbeiter und ein Geschäftsvolumen von 30 Milliarden Euro haben. Große Turbinen kann Siemens schlechter absetzen, weil die weltweite Nachfrage gesunken ist. Bereits 2017 hatte der Vorstand ein Kürzungsprogramm für die Sparte beschlossen. Über die Abspaltung und spätere Börsennotierung sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung entscheiden, voraussichtlich im Juni 2020. (AFP/jW)

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