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Krieg gegen Assange

Kolumne von Mumia Abu-Jamal
Von Mumia Abu-Jamal
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Der unerschrockene investigative US-Journalist und Autor Glenn Greenwald präsentierte in seinem 2014 im New Yorker Verlag Metropolitan Books erschienenen Bestseller »No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U. S. Surveillance State« (Die globale Überwachung: Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen) eine vernichtende Kritik an den US-Medien. Sie seien schon immer darauf getrimmt gewesen, an den Altären der Macht zu beten und als willfährige Agenten einer medialen Erstschlagsdoktrin all jene Journalistinnen und Journalisten an den Pranger zu stellen, die es wagen, Anordnungen der Obrigkeit oder gefährliche politische Eskapaden der Herrschenden zu hinterfragen und zu enthüllen.

Greenwald beschreibt sehr eindringlich, wie Reporter, die sich ihrem Selbstverständnis nach dem Staat und dem Establishment gegenüber verpflichtet fühlen, ihre Attacken gegen seine Person damit begannen, dass sie ihn zum einen als professionellen Journalisten, zum anderen aber auch seine psychische Verfasstheit in Frage stellten. Im Mai 2014 konterte Greenwald die harsche Kritik von Michael Kinsley, einem Kommentator der New York Times. Kinsley verunglimpfte den Whistleblower Edward Snowden als »politischen Romantiker«, der über die »unschuldig verschwörerische Weltanschauung eines altklugen Teenagers« verfüge. Weiter denunzierte Kinsley Greenwald als »selbstgerechten Miesmacher« und unterstellte ihm, sich selbst für einen »schonungslosen Revolutionär – wie Robespierre oder Trotzki« zu halten.

Greenwald dazu auf der Nachrichtenseite The Intercept: »Muss ich mich weiterhin an der Debatte beteiligen, ob sich viele US-Journalisten der US-Regierung gegenüber erbärmlich unterwürfig verhalten? Haben sie diese Frage nicht gerade beantwortet? Welche besseren Beweise kann es dafür geben, als dass mehrere einflussreiche amerikanische Journalisten aufstehen und [den Enthüllungen der NSA-Affäre; jW] Beifall klatschen, während einem Journalisten in der New York Times Raum gegeben wird zu behaupten, dass diejenigen, die gegen den Willen der Regierung Informationen veröffentlichen, nicht nur unmoralisch, sondern kriminell handeln?«

Aktuell können wir beobachten, wie die gleiche Taktik gegen Julian Assange, den Mitbegründer der legendären Enthüllungsplattform Wikileaks, gefahren wird. Kritiker Kinsley hielt ihn für einen »Narziss«, der »sich selbst heilig gesprochen« habe. Objektiv betrachtet sind Assange und sein Wikileaks-Kollektiv hingegen Whistleblower, die sich dazu entschlossen haben, das oft verdeckte Handeln von Regierungen überall auf der Welt ans Licht zu bringen und für politische Transparenz zu sorgen.

Die Entscheidung der neuen Regierung von Ecuador, Assange das 2012 von der Vorgängerregierung gewährte politische Asyl wieder abzuerkennen, hat ihn erneut den böswilligen Absichten der US-Regierung ausgesetzt, die ihn vor allem deshalb verfolgt, weil Wikileaks Kriegsverbrechen, die die USA während des Irak-Krieges begangen hatten, an die Öffentlichkeit brachte.

Im Jahr 2008, so schreibt Greenwald in seinem Buch, wurden Wikileaks-Mitglieder in geheimen Dokumenten der US-Armee als »Staatsfeinde« bezeichnet. Dieselben Dokumente belegten auch, dass Pläne geschmiedet wurden, die Gruppe zu »zerstören«. Obwohl Assange nicht als Reporter arbeitete, sammelte er große Datenmengen und gab sie an große Zeitungen weiter. Diese schreckten aber nicht davor zurück, den Whistleblower zu verteufeln, sein Handeln anzuprangern und seinen Verstand in Frage zu stellen. Assanges politisches Engagement hat uns deutlich vor Augen geführt, wie Regierungen – einschließlich der der USA – tatsächlich arbeiten. Dafür hat er großes Lob und unsere solidarische Unterstützung verdient.

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