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Aus: Ausgabe vom 03.05.2019, Seite 8 / Ansichten

Diplomat des Tages: Viktor Orban

Von Matthias István Köhler
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Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban auf einer Pressekonferenz in Budapest (10.1.2019)

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban reist durch die Weltgeschichte und schmiedet große Allianzen. Auf die Loser von der Europäischen Volkspartei ist schließlich kein Verlass. Jetzt bestätigten seine Diplomaten, dass er von Donald Trump ins Weiße Haus eingeladen wurde. Am 13. Mai wird er da dem US-Präsidenten nach einem Arbeitstreffen die kleinen Hände schütteln. Schließlich war Orban auch der einzige EU-Regierungschef, der Trump öffentlich im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte, einer der ersten, der ihm zum Sieg gratuliert hatte.

Bis zu dem Treffen in Washington putzt die Creme de la Creme der europäischen Rechten die Klinke in Budapest. Am kommenden Montag gewährt Ungarns Ministerpräsident dem Vizekanzler Österreichs, Heinz-Christian Strache von der FPÖ, und seinem Spitzenkandidaten für die EU-Wahl Ende Mai, Harald Vilimsky, eine Audienz.

Am gestrigen Donnerstag empfing Orban den italienischen Innenminister Matteo Salvini. Das Treffen endete in einem Debakel, dabei hatte alles so schön angefangen. Ungarns Ministerpräsident ließ den »gegenwärtig wichtigsten Menschen in Europa« (so Orban einen Tag zuvor) mit dem Helikopter am Flughafen abholen. Und was machen europäische Rechte heute so, wenn sie unter sich sind und sich etwas amüsieren wollen? Sie zeigen sich gegenseitig ihre Grenzzäune, derzeit das Statussymbol schlechthin.

Und Orban präsentierte dem Italiener dann auch ganz stolz seinen eigenen an der ungarischen Grenze zu Serbien. Auf Bildern ist zu sehen, wie Salvini kritisch den Draht betrachtet, er hebt zweifelnd den Zeigefinger, er stellt Fragen, runzelt die Stirn, greift noch einmal zärtlich, aber eben auch prüfend an das Stück ungarischen Zaun. Am Ende lacht er: Laut bisher nicht bestätigten Berichten soll der italienische Innenminister gesagt haben, er habe einen größeren.

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