Gegründet 1947 Montag, 17. Juni 2019, Nr. 137
Die junge Welt wird von 2198 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 30.04.2019, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft
Tarifvertrag Entlastung

Ohne Streik geht es nicht

Kampf für mehr Personal an SHG-Kliniken stagniert. Verdi lässt über Kampfbereitschaft abstimmen
Von Susanne Knütter
Aerzte_Warnstreik_60927201.jpg

Wie an der Uniklinik Homburg sollten auch in den vier Kliniken der Saarland Heilstätten GmbH (SHG) zusätzliche Stellen und Maßnahmen zur Entlastung des Personals geschaffen werden. Darauf verständigten sich die SHG-Kliniken und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Dezember 2018. Doch am 25. März untersagte der Kommunale Arbeitgeberverband erneut den Abschluss eines Tarifvertrags zur Entlastung, wodurch die Umsetzung der Verbesserungen wieder in weite Ferne gerückt ist.

Ein Streik im Mai wird deshalb wahrscheinlicher. Darüber zumindest hat Verdi alle Beschäftigten an den SHG-Kliniken im April abstimmen lassen. Wenn die Hälfte der Beschäftigten die Petition unterschrieben hat, kündigt Verdi Arbeitskampfmaßnahmen an, erklärte Gewerkschaftssekretär Michael Quetting am 25. April.

Die Auseinandersetzung dauert bereits sehr lange. Schon 2016 hatte die Gewerkschaft die SHG-Kliniken zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Planungen für Arbeitskampfmaßnahmen wurden abgewendet, weil sich die Verhandlungspartner auf eine »Prozessvereinbarung« zur Entlastung der SHG-Beschäftigten verständigten. In deren Ergebnis wurde im März 2018 für das SHG-Krankenhaus in Völklingen – und Verdi zufolge republikweit erstmals – festgelegt, dass nachts keine Pflegekraft mehr allein auf einer Station eingesetzt werden soll.

Die Gewerkschaft verlangt einen »rechtssicheren Vertrag zur Entlastung« und die Einführung von Personalbemessungssystemen innerhalb des nächsten halben Jahres. Als Zwischenschritt sollen alle Abteilungen, Stationen und Bereiche Sollzahlen für die Schichtbesetzung festlegen. Werden die unterschritten, soll den überlasteten Kolleginnen ein Belastungstag gutgeschrieben werden. Zu den Mindestforderungen gehört außerdem das »Völklinger« Verbot von Alleinarbeit. Auszubildende sollen als zusätzliche und lernende Angestellte behandelt werden und deren Praxisanleiter nicht zum Mindestschlüssel der anwesenden Fachkräfte gezählt werden. Die Gewerkschaft verlangt in dieser Auseinandersetzung nicht nur Entlastung für die Pflegekräfte, sondern außerdem die Anwendung des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes TVÖD für die Servicegesellschaft und langfristig deren Rückführung in die Muttergesellschaft.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Auch Ärzte können streiken. Hier bei einem Protestmarsch in der ...
    18.03.2019

    Ärzte setzen auf Eskalation

    Marburger Bund erklärt Tarifverhandlung an kommunalen Kliniken für gescheitert. Warnstreiks möglich
  • Verdient auch nicht besser als die Kolleginnen in der Rehaklinik...
    01.03.2019

    Bezahlung nach Nase

    Beschäftigte der Rehaklinik Medical Park in Berlin fordern Tarifvertrag statt individueller Vereinbarungen
  • Verdi fordert, dass das Krankenhaus »als Ganzes« erhalten bleibt...
    06.02.2019

    Operation Löhne drücken

    Geschäftsführung von Zwickauer Klinikum will Teilbereiche ausgliedern. Beschäftigte wehren sich – und das nicht zum ersten Mal

Mehr aus: Betrieb & Gewerkschaft