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Aus: Ausgabe vom 26.04.2019, Seite 15 / Feminismus
Jury-Mitglied aus Nigeria

»Frauen sind innovativ«

Feministische Filmförderung und Vernetzung in Afrika. Ein Gespräch mit Edima Otuokon
Von Gitta Düperthal
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Beryl Magokos Dokumentarfilm über die Folgen der Beschneidung von Mädchen gewann den Publikumspreis des IFFF

Was bedeutet die Teilnahme am Frauenfilmfestival in Dortmund für Sie?

Seit einigen Jahren versuchen die Frauenfilmfestivals in Afrika größer und bedeutender zu werden: Insofern ist es eine Chance, hinter die Kulissen eines erfahrenen Festivalteams in Deutschland zu schauen, das 2019 zum 36. Mal dieses Event organisiert. Kenntnisreich wird hier über strukturelle Ungerechtigkeiten diskutiert, die Frauen in der Filmkultur erfahren. Egal, ob sie in Europa, den USA, Asien oder in Afrika leben, bewegt alle das gleiche Thema: Wir müssen dringend über konsequente Frauenbefreiung reden. All die Diskriminierungen, die wir im 20. Jahrhundert erlebten – und nun weiterhin im 21. –, können wir nur gemeinsam bekämpfen.

Wir Frauen wollen Grenzen überschreiten, um uns gegenseitig zu inspirieren. Deshalb sind wir froh, dass das Team des IFFF in Dortmund entschieden auf Diversität setzt. Es geht darum, die Debatte über den feministischen Film voranzubringen: Wie können wir mit unterschiedlichen Formen von Frauenunterdrückung umgehen und sie thematisieren, von subtiler Benachteiligung über den Ausschluss von Frauen bis zur brachialen Gewalt.

Was ist Ziel der von Ihnen mitbegründeten Ladima-Stiftung?

Die Ladima Foundation mit Sitz in Nigeria treibt aktuell den Aufbau einer Akademie zur Förderung von Frauen in der Film-, TV- und Medienbranche in ganz Afrika voran. Der Direktor der »Nigerian Film Corporation«, Chidia Maduekwe, hat uns ein Gebäude in Lagos dafür zur Verfügung gestellt, das im September eröffnet wird. Frauen sind innovativ, was das Filmemachen angeht, aber wir müssen auch unsere Fähigkeit ausbilden, auf Filme von Frauen aufmerksam zu machen, ihnen gebührende Anerkennung verschaffen. Ziel ist, mit Workshops und Trainings Dokumentarfilmerinnen, Drehbuchautorinnen, Regisseurinnen, Mediengestalterinnen für Bild und Ton, Animationsfilmkünstlerinnen und Filmproduzentinnen auszubilden. Einen kunstvollen Film zu machen ist eine Sache. Es geht aber auch um selbstbewusstes Auftreten, um Geld damit zu verdienen.

Können Sie ein Beispiel für Frauenförderung nennen?

Frauen, die in der Filmindustrie Fuß gefasst haben, würden gern mit weiblichen Teams arbeiten. In Afrika ist es aber ein Problem, die dafür gut ausgebildeten Frauen zu finden. Wir erstellen Listen im Internet, wo sie sich bekannt machen können: Suchst du etwa eine Drehbuchautorin in Mali, kannst du sie finden. Afrikanische Frauen sind stark, von ihrer Realität zu erzählen und wahre Storys filmisch festzuhalten. Wir fördern vor allem Dokumentarfilmerinnen.

Was bedeutet Feminismus in der afrikanischen Filmkultur?

Das ist unterschiedlich: In Nigeria reden wir über Gleichberechtigung, darüber, wie wir uns Gehör verschaffen können. In Südafrika geht es vorrangig um die Transgenderdebatte. Dort gibt es auch die Organisation Swift – Sisters Working in Film and Television –, die in der Film- und Medienindustrie Sicherheitsbüros etablieren will: Damit sich Frauen im Fall von geschlechtsspezifischer Benachteiligung oder von sexuellen Übergriffen dorthin wenden können. In einigen afrikanischen Ländern geht es um das Empowerment schwarzer Frauen. Es gibt die Me-too-Debatte, dass Frauen nicht länger sexuelle Belästigung ertragen wollen.

Edima Otuokon war Jurymitglied beim Spielfilmwettbewerb des Internationalen Frauenfilmfestivals (IFFF) in Dortmund und ist Direktorin der Ladima-Stiftung in Nigeria

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