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Aus: Ausgabe vom 24.04.2019, Seite 10 / Feuilleton

Hasler, Böwe, Pauls

Von Jegor Jublimov
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»Der Westen ist auch nicht mehr das, was er früher mal war!« (Tom Pauls)

In den Aufbaujahren war es leichter, jung seinen Weg zu finden. Joachim Hasler, der kommenden Sonntag vor 90 Jahren geboren wurde und 1995 starb, lernte in einem Kopierwerk und wurde Kameraassistent. Er war 22, als mit »Das verurteilte Dorf« 1952 der erste in einer Reihe von DEFA-Filmen ins Kino kam, in denen er als Kameramann beteiligt war. Mit 27 übernahm Hasler seine erste Filmregie. »Gejagt bis zum Morgen«, nach einer Erzählung von Ludwig Turek, erzählt spannend über das Leben junger Proletarier zur Kaiserzeit. Anders als andere Kameramänner, die ins Regiefach wechselten, blieb er bis Mitte der siebziger Jahre für die Bildgestaltung seiner Filme verantwortlich. Er drehte Publikumserfolge wie »Heißer Sommer« (1967) und »Nicht schummeln, Liebling« (1973) mit dem Duo Doerk/Schöbel, aber Haslers Hauptwerk ist wohl die Leonard-Frank-Adaption »Chronik eines Mordes« (1965) über Naziverbrecher in leitenden Positionen der Bundesrepublik. »Hasler gelang in der Form eines Kriminalfilms ein strenger, würdiger Beitrag zu einem der blamabelsten Kapitel der damaligen bundesdeutschen Gegenwart, der heute angesichts der uns permanent anempfohlenen Aufarbeitung unserer DDR-Vergangenheit wieder eine ganz neue Brisanz gewinnt«, schrieb die Publizistin Erika Richter vor einigen Jahren.

Ebenfalls am Sonntag wäre einer der großen Charakterdarsteller der DDR 90 geworden. Der Prignitzer Kurt Böwe betrat erst als ausgebildeter Theaterwissenschaftler um 1960 die Bühne. Er reifte in Halle, schlug in Berlin am Deutschen Theater das Publikum in den Bann und verhalf zahlreichen DEFA-Filmen zum Erfolg. In den neunziger Jahren erlangte er bundesweite Beliebtheit als Schweriner Kommissar mit Einkaufsbeutel in der Reihe »Polizeiruf 110«, den er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 14 Mal spielte.

»Der Westen ist auch nicht mehr das, was er früher mal war!«, meinte das sächsische Urgestein Ilse Bähnert, eine Volksfigur, die Tom Pauls, der am Freitag 60 wird, zu Beginn der neunziger Jahre geschaffen hat. Gemeinsam mit dem von Uwe Steimle gespielten »Herrn Zieschong« trat er sowohl auf der Bühne wie auch in der kabarettistischen MDR-Reihe »Ostalgie« auf. Dort wurde ihnen ein Dialog zum Verhängnis, als Zieschong fragte: »Wissen Sie, wann die deutsche Einheit vollendet ist?«, und Bähnert antwortete: »Wenn der letzte Ostdeutsche aus dem Grundbuch gelöscht wird.« Die Reihe wurde eingestellt, aber die Popularität der Ilse Bähnert dauert an.

Der Leipziger Schauspielstudent Tom Pauls hatte 1982 zusammen mit den Kommilitonen Peter Kube und Jürgen Haase das kabarettistische »Zwinger-Trio« gegründet, das bis zum heutigen Tag existiert und am Jahresende in Tom Pauls’ eigenem Theater in Pirna auftreten wird.

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