Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 20.04.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Phantastische Tomatensuppe

Von Ina Bösecke

Ab einem gewissen Alter gelten Menschen, die bei ihren Eltern wohnen, mindestens als lebensfremd. André (Stefan Kurt) hat dieses Alter in »Lovely Louise« (Deutschland, Schweiz, Spanien 2013) von Bettina Oberli längst erreicht. Weit über 50 Jahre ist er bereits, einmal hätte er beinahe geheiratet, wird seine Mutter (Annemarie Düringer) ihren Freundinnen beim Kartenspielen erzählen. Aber dann hat er sich doch für die Pflicht entschieden. Die Pflicht – das ist die Mutter selbst. Als André vier Jahre alt war, kam die gute Frau aus Hollywood zurück, unterbrach ihre Schauspielkarriere, um lieber für ihr Kind zu sorgen. Der arme André hat diese Legende sicher schon tausend Mal aus dem Mund seiner Mutter gehört – und längst verinnerlicht. Das Verhältnis ist also auf Schuldgefühlen aufgebaut, die wiederum auf einer Lüge beruhen. Die traute Zweisamkeit von Mutter und Sohn wird bald empfindlich gestört – durch einen weiteren Sohn. Dessen Existenz hat die Mutter mehrere Jahrzehnte glatt vergessen. In Hollywood gab es mal ein Techtelmechtel mit einem Produzenten. Das »Ergebnis« musste beim Vater bleiben.

Das Zusammenleben von Mutter und Sohn ist durchaus komisch erzählt. Dann wird es zerstört von jemand, der jedes Recht dazu hat. Dabei versucht Bill (Stanley Townsend) zunächst, den Schein zu wahren. Er ist so nett zu seiner Mutter wie André schon lange nicht mehr. Er schenkt ihr Blumen, geht mit ihr aus, bewundert ihre Schauspielkunst. Später stellt sich heraus, dass jahrzehntelanges Verlassensein Konsequenzen hat. Jede Katastrophe eröffnet neue Perspektiven. André zieht aus der gemeinsamen Wohnung einen Häuserblock weiter in ein eigenes Heim.

Die Veränderungen in der Mutter-Sohn-Beziehung machen sich auch beim Essen bemerkbar. Als André und die Mutter noch allein sind, gibt es meistens Wiener Würstchen mit Brötchen zum Abendbrot. Wenn die Freundinnen der Mutter zum Kartenspielen kommen, bereitet der Sohn Brothäppchen vor, die er lustig garniert. Gern sitzt die Mutter in einem Café und gönnt sich ein Stück Kuchen. Die Krönung der kulinarischen Genüsse aber findet statt, als der zweite, lang verschwiegene Sohn zum Essen erscheint. Die Mutter gibt alles und kocht eine Tomatensuppe. André kann es kaum glauben. Bill schwärmt und sagt, sie sei eine fantastische Köchin. Holen Sie sich das Lob der Woche mit folgender Tomatensuppe:

150 g getrocknete Aprikosen in feine Streifen schneiden. Zwei kleine Zwiebeln häuten und würfeln. Zwei EL Olivenöl im Topf erhitzen, zuerst die Zwiebeln andünsten, dann die Aprikosen hinzufügen. Fünf Minuten dünsten, 600 g Tomaten (frisch oder aus der Dose) und einen halben Liter Gemüsebrühe untermischen, die Suppe eine halbe Stunde einkochen lassen. Mit Salz, Pfeffer abschmecken. Ein halbes Bund frischen Salbei hacken, unter die Suppe ziehen. Mit dem Pürierstab cremig aufschlagen. Mit frischem Olivenbrot oder in einer Pfanne angerösteten Croutons servieren. Ein paar Blätter Salbei in der Pfanne in heißem Olivenöl frittieren und über die Suppe geben.

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