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Aus: Ausgabe vom 18.04.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Unbedingt lesen

Zu jW vom 11.4.: »›Die Partei wollte nichts mehr von uns wissen‹«

Ich begrüße die Veröffentlichung des Beitrags »Die Partei wollte nichts mehr von uns wissen« als Hinweis auf das Buch von Heinz Engelhardt »Der letzte Mann«, welches in Kürze erscheint. Als Ergänzung zu seinen Ausführungen möchte ich darauf hinweisen, dass ich bereits in meinem Buch »Bonn im Blick« 2001 auch diese Problematik angesprochen habe. So zum Beispiel: dass Hans Modrow in seinem Buch »Ich wollte ein neues Deutschland« unter anderem schreibt, was er vor dem Sturm auf das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) den Bürgerrechtlern zugerufen hat: »Was können denn die Sessel für die Ärsche, die darauf gesessen haben?« Damit war eben auch Heinz Engelhardt gemeint, der zu diesem Zeitpunkt als verantwortlicher Leiter diese heikle Situation meisterte. Ich entsinne mich auch, dass ich kurz vor dem 15. Januar 1990 zu einer Besprechung bei Ministerpräsident Hans Modrow geladen war, an der unter anderem Innenminister Lothar Ahrendt teilnahm. Meine dort gestellte Frage, was denn die Regierung ob der angekündigten Demonstration vor dem MfS zu tun gedenke, wurde gar nicht zur Kenntnis genommen und das von mir mitgebrachte Plakat vom »Neuen Forum« ohne Kommentar zusammengefaltet in die Aktentasche gesteckt. So wurde mir vorgeführt, was man noch von Mitarbeitern des MfS hielt. Ich empfehle, das Buch von Heinz Engelhardt unbedingt zu lesen!

Werner Großmann, Generaloberst a. D., per E-Mail

Keine Täuschung

Zu jW vom 12.4.: Zitat des Tages

Wie alt man auch ist, das Lernen hört nimmer auf. Also, ich denke zu wissen, dass »unter Brücken zu schlafen« oder »Analphabet zu bleiben« fast unmöglich unter Honecker war. Völlig neu ist mir die Erkenntnis, dass Vietnamesen in der DDR nicht Facharbeiter werden konnten – so anscheinend die als »Zitat des Tages« wiedergegebene Vermutung des Ministerpräsidenten von Thüringen, Bodo Ramelow (Die Linke). Im VEB Interdruck Leipzig habe ich in den 1970er Jahren persönlich mit einem Südafrikaner gesprochen, der in diesem Betrieb zum Setzer ausgebildet wurde, und aus den Medien war mir bekannt, dass nicht nur Vietnamesen, sondern auch Kubaner und andere Ausländer bei uns eine Facharbeiterausbildung oder ein Studium absolvierten. Gedächtnistäuschung, Lügen – oder gar illegale Aufenthalte und Ausbildungen?

Ella Schleese, per E-Mail

Klare Sprache

Zu jW vom 15.4.: »Recht und Klassenkampf«

Ausgerechnet eine »klare Sprache« attestieren Sie dem Autor Rolf Geffken in seinem »Handbuch für Beschäftigte«! Dabei stammt der aus der »Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen«. Wer die Arbeiter immer noch als »Arbeitnehmer« bezeichnet, hat wirklich eine klare Sprache – eine klar bürgerliche Sprache. Arbeiter sind Lohnnehmer und nicht Arbeitnehmer. Im Gegenteil, sie sind »Arbeitgeber«, denn sie geben ihre Arbeitskraft her. Genausowenig wie der »Arbeitgeber« Arbeit gibt, sondern Lohn! Daher gefällt mir der Begriff »Lohnsklaven«. Das sind Menschen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft – das einzige, was sie haben – gegen Lohn zu verkaufen. Und genau wie verdiente Sklaven im alten Rom sich am Ende noch freikaufen konnten, bin ich jetzt auch ein freigekaufter Lohnsklave, nämlich Rentner. Auch das Arbeitsrecht ist Klassenrecht, es ist das Recht der Kapitalisten, die Arbeiter auszubeuten. Auf dieses »Recht« sollte man sich also nicht unbedingt stützen, wenn man links ist. (…)

Paul Jud, Stühlingen

Ernüchternder Kater

Zu jW vom 16.4.: »Unmut in Brüssel«

Die Begeisterung über den Anschluss an die EU ist in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens ziemlich abgeklungen. Den rauschenden Beitrittsfeiern in Slowenien und Kroatien folgte ein ernüchternder Kater, und die erwarteten positiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen blieben weitgehend aus. Europäische Unternehmen vor allem aus Deutschland und Italien, die tatsächlich mit großzügigen staatlichen Subventionen eigene Niederlassungen in der Region eröffneten, wollten am Ende lediglich von billigen Arbeitskräften profitieren und haben nicht viel zu Forschung und Entwicklung beigetragen. So blieb »der Balkan die billige Werkbank an der Peripherie des EU-Wirtschaftsraums«, resümiert jedenfalls Dusan Reljic, Brüsseler Büroleiter der deutschen regierungsnahen Denkfabrik »Stiftung Wissenschaft und Politik« (SWP). Er warnte bereits 2017, dass das »bisherige Modell nichts taugt«. Die Kooperation zwischen China und Kroatien dagegen entwickelt sich zur gegenseitigen Zufriedenheit recht gut. China liefert Infrastruktur inklusive Internettechnologie, Kroatien Lebensmittel und Elektroartikel ins Reich der Mitte. So baut zum Beispiel Rimac Automobili in China ein Werk für Elek­trobatterien und -motoren.

Josef Witte, Hefei/China (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Bankrotterklärung

Zu jW vom 16.4.: »Solidarität mit Assange«

Julian Assange, einer der letzten wirklichen Journalisten, und die mutige Whistleblowerin Chelsea Manning verdienen unsere ganze Solidarität. (…) Ihnen wird das Verbreiten der Bilder von offensichtlichen US-Kriegsverbrechen gegen zivile und unbewaffnete Menschen im Irak und Afghanistan zur Last gelegt. Nicht die Kriegsverbrecher George W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Tony Blair usw., die diese Verbrechen begannen haben, sitzen also im Gefängnis, sondern (…) diejenigen, die diese Verbrechen aufgedeckt und die Information der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben, damit dann rechtliche Ermittlungen erfolgen können. Gesetze und internationales Recht werden ad absurdum geführt – und die Mainstreammedien und die meisten Politiker schweigen oder diffamieren Assange und Manning sogar. Das ist eine wahre Bankrotterklärung. Jegliche journalistische Ethik und Norm wird ad acta gelegt, um den imperialen Herren in Washington und London zu dienen. (…)

Claudio Coladangelo, per E-Mail

Gesetz und Recht werden ad absurdum geführt – und die Medien schweigen oder diffamieren Assange und Manning sogar.