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Aus: Ausgabe vom 18.04.2019, Seite 2 / Ausland
Krieg in Libyen

Raketen auf Tripolis

Libyen: UNO fordert Ende der Kämpfe. Opferzahl steigt
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Beerdigung eines der Opfer des nächtlichen Beschusses in Tripolis am Mittwoch

Nach dem tödlichen Raketenangriff auf einen Vorort der libyschen Hauptstadt Tripolis hat UN-Vermittler Ghassan Salamé ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert. Der »willkürliche Einsatz« von Waffen gegen Zivilisten stelle ein Kriegsverbrechen dar, erklärte Salamé am Mittwoch. Nach UN-Angaben starben bei dem Angriff auf ein dichtbesiedeltes Wohngebiet im Südwesten der Hauptstadt am Vorabend mindestens 14 Menschen. Unklar ist, wer die Raketen abfeuerte.

Unterdessen liegt dem UN-Sicherheitsrat ein Resolutionsentwurf vor, der eine sofortige Waffenruhe in Libyen fordert. Der von Großbritannien eingereichte Entwurf sollte Diplomaten zufolge am Dienstag im Sicherheitsrat verhandelt werden. Die Resolution sieht vor, »dass alle Parteien in Libyen die Situation sofort deeskalieren und sich zu einer Waffenruhe verpflichten«.

Der Entwurf, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag, wirft der sogenannten Libyschen Nationalen Armee (LNA) des Warlords Khalifa Haftar vor, mit ihrer Offensive die Stabilität in Libyen und die Chance für eine politische Lösung der Krise zu gefährden. Unklar blieb zunächst, wann der Sicherheitsrat über den Resolutionsentwurf abstimmen wird. Vom UN-Sicherheitsrat verabschiedete Resolutionen sind rechtlich bindend.

Die Zahl der Opfer bei den Kämpfen steigt durch die Gewalt weiter an. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte über Twitter, seit Beginn der Kämpfe seien fast 190 Menschen getötet worden. Mehr als 800 Menschen wurden demnach verletzt und mehr als 18.000 vertrieben.

Libyen versinkt seit dem von der NATO erzwungenen Sturz von Muammar Al-Ghaddafi 2011 im Chaos. In dem nordafrikanischen Land konkurrieren zwei Regierungen und zahlreiche Milizen um die Macht. Haftars Truppen hatten vor rund zwei Wochen einen Angriff auf Tripolis begonnen, wo die vom Westen eingesetzte und anerkannte Regierung von Fajes Al-Sarradsch sitzt. Haftar hat seinen Einfluss bereits vom Osten Libyens auf große Teile des Landes ausgedehnt.

Haftar wird unter anderem von Ägypten, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Frankreich und Russland unterstützt. Seine Anhänger werfen wiederum der Türkei und Katar vor, in Libyen Terrormilizen zu unterstützen, die mit der Sarradsch-Regierung verbunden sind. (dpa/AFP/jW)

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