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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 10 / Feuilleton
Feminismus

Eine Unbeugsame

Florence Hervé zum 75. Geburtstag
Von Christiana Puschak
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Autorin und Publizistin: Florence Hervé

Unermüdlich warnt die Aufklärerin Florence Hervé davor, die Verbrechen der Nazidiktatur zu verharmlosen und einem neuen Nationalismus das Wort zu reden – das Bundesverdienstkreuz hat sie auch vor diesem Hintergrund abgelehnt. Dort kämpfen, wo das Leben ist – diese Devise Clara Zetkins ist auch ihre. Als Journalistin für deutsche und französische Zeitungen, darunter jW, Autorin zahlreicher Bücher, Übersetzerin, Herausgeberin und Dozentin streitet Hervé seit mehr als 50 Jahren für Solidarität und Gleichberechtigung. Um ihre Person macht sie kein Aufheben. Sie braucht kein Amt und keinen Titel, um ein engagiertes politisches Leben zu führen.

2008 lernten wir uns bei einer Lesung aus ihrem Buch »Sehnsucht nach den Bergen« kennen, in dem sie Schriftstellerinnen mit einem Hang zum Alpinen vorstellt. Auch Hervé liebt die Berge, und sie liebt Herausforderungen, sieht hin, wo andere wegschauen. So zeigt sie etwa in ihrem Buch über die mutige Ärztin Adélaïde Hautval, dass es auch unter menschenunwürdigen Bedingungen möglich war und ist, nein zu sagen, sich nicht zu fügen.

Ihre Bücher erzählen von mutigen Frauen, die mit repressiven Normen brechen, oder von der harten Arbeit starker Frauen in Wüsten und anderswo – immer verstanden als Aufruf zu Einsatz und Aktivität. Mitte der 80er Jahre erschien Hervés »Weiberlexikon«, eine Art Brockhaus für die Frauenbewegung, so informativ wie spannend zu lesen. Seit 1979 gibt sie den »Wir Frauen«-Kalender und seit 1982 die gleichnamige Zeitschrift heraus, unverändert offen für neue Ideen und begeistert, von bisher unbekannten Künstlerinnen zu hören.

Als sensible, alleinerziehende Mutter zweier Töchter erkannte Hervé früh die Mechanismen der Unterdrückung, die Diskriminierungen im Patriarchat. Ihren Blick und ihr Gefühl für Ungerechtigkeiten hat sie sich bis heute bewahrt.

1991 gründete Florence Hervé den »Verein zur Förderung von Frauenpublizistik«. Immer war ihr der lebendige Austausch zwischen jüngeren und älteren wichtig, das ständige Voneinander-Lernen. Vielen ist sie ein Vorbild. Heute wird diese wunderbare Mentorin 75, wir gratulieren.

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