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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 10 / Feuilleton

Tempelhof, Hauff, Eckhold

Von Jegor Jublimov
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Besang den »Wind auf der Warschauer Brücke«: Lissy Tempelhof 2011

Den »Wind auf der Warschauer Brücke« besang einst Lissy Tempelhof. Heute vor 90 Jahren wurde die Berlinerin geboren. Sie starb 2017 in ihrer Stadt. Dass sie eine großartige Chansonsängerin war, ist heute fast vergessen, aber zum Glück laufen noch immer einige der Filme, für die sie zwischen 1955 und 2014 vor der Kamera stand. Sie hat wichtige Theaterjahre in Dresden verbracht, aber vor allem auf Berliner Bühnen gestanden, ab 1963 für dreieinhalb Jahrzehnte im Deutschen Theater. Ihre erfolgreichsten Kino- und Fernsehfilme waren »Professor Mamlock« (1961), »Sommer in Heidkau« (1964), »Die besten Jahre« (1965), »Alle meine Mädchen« (1980), aber auch der Kinderfilm »Quatsch und die Nasenbärenbande«, mit dem sie sich 2014 als resolute Oma verabschiedete. Schön wäre, wenn an die Diseuse wieder erinnert würde!

Die musikalischen Grundlagen für die Gesangskarriere von Monika Hauff wurden beim Rundfunk-Jugendchor Wernigerode gelegt – in ihrer Heimatstadt. Sie sang in verschiedenen Bands, gewann 1967 einen Preis und nahm im selben Jahr ihre erste Solosingle auf. Bald spannte sie das Studio für Unterhaltungskunst mit einem anderen Solisten zusammen. Klaus-Dieter Henkler und sie nahmen sich Esther und Abi Ofarim zum Vorbild, mit denen sie es bald an Musikalität und Komödiantentum aufnehmen konnten, und die sie bald sogar überflügelten. Hauff und Henkler waren als Gesangspaar nicht nur in der DDR, sondern buchstäblich überall berühmt, mit über 300 Liedern, Schlager, Stimmungs- und Volksmusik, alles immer mit Augenzwinkern vorgetragen. Weit über zehn Millionen Tonträger gingen in alle Welt. Nach einer Abschiedstournee im vergangenen Jahr treten die beiden nun etwas kürzer, aber gelegentlich wollen sie es noch wissen. Am Sonnabend wird im Freizeitforum Marzahn Monika Hauffs heutiger 75. Geburtstag nachgefeiert, und auch Klaus-Dieter Henkler kann mit dreimonatiger Verspätung noch zum Dreivierteljahrhundert gratuliert werden.

Wie Monika Hauff, so hat auch Barbara Eckhold von der breiten Förderung junger Leute in der DDR profitiert. Sie wurde gestern 75 und begann die Filmerei mit elf Jahren beim Filmstudio der Jungen Pioniere in Pirna. Da faszinierte sie von Beginn an die Arbeit im Animationsfilm. Durch Patenschaften mit dem Dresdner Trickfilmstudio konnte sie dort volontieren, studierte Trick in Prag, und arbeitete zunächst als Animatorin, die die Bewegungen der Figuren bestimmt. »Aus einem unbelebten Gegenstand durch Animation einen Charakter zu formen, fand ich immer spannend«, erklärte sie einmal. Ein Film der beliebten Reihe »Teddy Plüschohr« wurde 1972 ihr Regiedebüt. Bis 1990 hat sie an Dutzenden Defa-Trickfilmen maßgeblich mitgearbeitet und probiert sich in jüngerer Zeit als Kinderbuchautorin aus.

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