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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Pkw

Letzte Chance China

Gewinne deutscher Autokonzerne rückläufig. Volksrepublik verspricht Wachstum
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Werbung des »Dongfeng-Motor«-Konzerns auf der Automobilmesse in Shanghai (16.4.2019)

Die deutschen Autokonzerne haben im vergangenen Jahr weniger Geld verdient. Die Gewinnmargen – also der Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz – lagen laut einer am Dienstag veröffentlichten Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young im vierten Quartal bei fünf Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit 2009. Auf das gesamte Jahr gesehen betrugen sie 5,7 Prozent, 2017 waren es 6,4 Prozent. Dabei konnten die 16 führenden Autokonzerne ihre Umsätze dank der anhaltend hohen Nachfrage nach Geländewagen (SUV) um 2,8 Prozent auf 1,6 Billionen Euro steigern – der höchste jemals in einem Kalenderjahr erzielte Umsatz.

Der größte Absatzmarkt in China ist den neunten Monat in Folge geschrumpft. Um 15,5 Prozent sind die Verkäufe allein in den ersten drei Monaten 2019 eingebrochen. Die Regierung versucht jedoch mit einer Senkung der Mehrwertsteuer, die Nachfrage zu steigern. Trotz eines Minus von 2,8 Prozent im vergangenen Jahr bleibt China aber mit 28 Millionen verkauften Wagen globaler Spitzenreiter. Im Gegensatz zur Konkurrenz konnten die Konzerne aus der BRD ihre Marktanteile halten oder sogar ausbauen. Volkswagen beispielsweise war mit 4,2 Millionen verkauften Fahrzeugen Marktführer vor dem US-Konkurrenten General Motors mit 3,6 Millionen.

BMW-Finanzchef Nicolas Peter sagte am Dienstag auf der Automesse in Shanghai, er gehe davon aus, in diesem Jahr trotz stagnierender Nachfrage in der Volksrepublik den Absatz zwischen fünf und zehn Prozent steigern zu können. Im ersten Quartal sei der Absatz des Münchener Autobauers dort um mehr als zehn Prozent gewachsen. »Wir haben die Margen gut halten können«, fügte er hinzu. Auch Daimler konnte nach Aussage von Hubertus Troska, der das China-Geschäft im Konzern verantwortet, dank der Nachfrage nach Oberklasseautos den Absatz im ersten Quartal um drei Prozent steigern.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) teilte mit, sollte der Handelsstreit zwischen den USA und China beigelegt werden, rechne man für das Gesamtjahr mit einer stabilen Entwicklung. »Doch wir gehen davon aus, dass der chinesische Pkw-Markt mittelfristig wieder wachsen wird, das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.«

Bei reichen Chinesen sind Luxusautos stark gefragt. Allein von der Mercedes-Maybach S-Klasse, deren Basisversion schon weit über 100.000 Euro kostet, verkaufen die Stuttgarter im Schnitt 600 Stück im Monat.

Im Mittelpunkt der Messe in der Hafenmetropole Shanghai stehen Elektroautos. In keinem anderen Land werden mehr E-Autos neu zugelassen. 2018 waren es Branchenangaben zufolge rund 1,1 Millionen, ein Plus von gut 80 Prozent zum Vorjahr. Drei Viertel der Neuzulassungen waren demnach rein batteriegetriebene Wagen. Der Marktanteil von E-Mobilen beträgt in China damit rund 4,5 Prozent. Zum Vergleich: In der BRD lag er trotz hoher Zuwachsraten zuletzt bei 1,9 Prozent. (dpa/Reuters/AFP/jW)

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