Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 6 / Ausland
USA gegen Venezuela

Hilferuf aus Caracas

Venezuelas Regierung warnt: US-Sanktionen bringen Leben von Kindern in Gefahr. Behandlungen im Ausland verhindert
Von André Scheer
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Show an der Grenze: US-Außenminister Michael Pompeo mit Migranten aus Venezuela am Sonntag nahe Cúcuta

Zum Abschluss einer Reise durch mehrere Staaten Lateinamerikas hat US-Außenminister Michael Pompeo am Sonntag (Ortszeit) zusammen mit Kolumbiens Staatschef Iván Duque die Grenze zu Venezuela besucht. »Herr Maduro, öffnen Sie diese Brücke, öffnen Sie diese Grenze«, forderte er in Cúcuta pathetisch. Unweit der seit Ende Februar geschlossenen Übergänge lagern nach Angaben der Deutschen Presseagentur »viele Tonnen Hilfsgüter für die notleidende venezolanische Bevölkerung«. Bislang weigere sich Venezuelas Präsident Nicolás Maduro allerdings, die Lieferungen ins Land zu lassen, so die Agentur weiter. Tatsächlich aber weigern sich Kolumbien und die USA, die Waren wie üblich an der Grenze durch die venezolanischen Behörden kontrollieren zu lassen. »Kolumbien und die Vereinigten Staaten wollen eine bessere Zukunft für die Venezolaner«, behauptete Pompeo statt dessen. »Wir stehen an eurer Seite, um die Diktatur zu Fall zu bringen.«

Die von Washington und Bogotá betriebene Politik verschärft die Lage in dem südamerikanischen Land weiter. In einer am Montag in Caracas veröffentlichten offiziellen Erklärung bat Venezuelas Regierung angesichts der Folgen der von den USA verhängten Sanktionen nun die »internationale Gemeinschaft« um Hilfe. In dem Statement warnt das Außenministerium, dass die Blockade von Finanzmitteln des staatlichen Erdölkonzerns PDVSA durch Washington das Leben von mindestens 25 an Leukämie erkrankten Patienten gefährde. Die meisten von ihnen seien Kinder, betonte Außenminister Jorge Arreaza.

Seit sich die Regierung des damaligen Präsidenten Hugo Chávez im Jahr 2003 die Kontrolle über den lange wie ein gewöhnliches Privatunternehmen betriebenen Erdölkonzern erkämpft hatte, floss ein Großteil der Einnahmen aus den Ölexporten direkt in diverse Sozialprogramme, vor allem in die Verbesserung der Gesundheitsversorgung. So gingen nach einem entsprechenden Abkommen Tausende kubanische Ärztinnen und Ärzte vor allem in die Armenviertel der Städte und in abgelegenen Dörfer, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Im Jahr 2006 unterzeichneten Venezuela und Italien während eines Besuchs von Chávez in Rom ein Abkommen über die Behandlung von krebskranken Kindern in dem südeuropäischen Land. Federführend bei der Umsetzung war eine 1999 gegründete Stiftung in Maracaibo, FTMO, finanziert wurde das Projekt aus Einnahmen von der PDVSA und deren US-amerikanischem Tochterunternehmen Citgo. Bisher.

Wie das oppositionelle venezolanische Internetportal Contrapunto in der vergangenen Woche berichtete, waren im Dezember 2018 im Kinderkrankenhaus »José Manuel de los Ríos« in Caracas bereits 30 Patienten ausgewählt worden, um in Italien eine Knochenmarktransplantation zu erhalten. Die Spender hätten bereitgestanden. Jedoch wurden die Flüge abgesagt, bevor die kleinen Patienten transportiert werden konnten. Die vorgesehenen Mittel seien durch die USA blockiert worden, habe man den Eltern mitgeteilt, so Contrapunto.

In der vergangenen Woche erklärten mehrere Mütter bei einer Pressekonferenz der oppositionellen Nichtregierungsorganisation »Prepara Familia«, dass ihnen anschließend angeboten worden sei, ihre Kinder in die USA zu bringen. Aufgrund der Finanzblockade habe das jedoch ebenfalls nicht stattgefunden. Dann sei die Rede von Kuba gewesen, aber auch das sei noch nicht erfolgt.

Ohne direkt auf die Aussagen der Eltern Bezug zu nehmen, erklärte Venezuelas Regierung in der offiziellen Stellungnahme, man setze die Bemühungen fort, um die für die medizinische Behandlung im Ausland notwendigen Mittel verfügbar zu machen. Das sei »bislang allerdings ohne Erfolg« geblieben. Deshalb hoffe man, »dass die internationale Gemeinschaft entsprechend der Charta der Vereinten Nationen handelt, um die Grausamkeit der imperialistischen und unmenschlichen Entscheidungen der Regierung von Donald Trump zu neutralisieren«. Die von den USA verhängten Sanktionen seien »verbrecherisch« und eine Verletzung der Menschenrechte der kleinen Patienten.

Debatte

  • Beitrag von konstantin w. aus b. (17. April 2019 um 19:21 Uhr)
    Leider ist die Venezuela-Berichterstattung ein Desaster: Wieso kommt ein »pathologischer« Lügner wie Pompeo zu Wort, der für das »gesunde«/normale Verhalten des Imperialismus steht? Es reicht zu sagen, dass der Imperialismus gegen den Willen der Regierung Hilfe erzwingen will, während Russland, China, Kuba, das Rote Kreuz etc. dies legal tun; was wir brauchen ist Marxismus; dessen innerstes Wesen und lebendige Seele, nach Lenin, die konkrete Analyse der konkreten Situation ist! wieso erfährt man fast nichts über die Schwierigkeiten und Entwicklungen der Elektrizitäts-, Öl- und Wasserversorgung im Lande, über landwirtschaftliche Produktion, Gesundheitsversorgung im Verlauf etc.? Von einer historisch-kritischen materialistischen Analyse fast keine Spur; statt dessen langatmiger Bericht über 25 leukämiekranke Kinder; natürlich ist das grauenhaft; das ist aber Information aus der Privatform, weil eben private Schicksale, statt aus der Gesellschaftsform, d. h. der konkreten Analyse des Gesundheitssystem in seinem Verlauf. Hört auf, Vertreter der ideologischen Mächte zu zitieren oder zu kritisieren! Es ist nur Wiederholungszwang; statt herrschender Klasse – hin zur produktiven klasse; statt Kenntnissen müssen Erkenntnisse her! Also recherchieren an der Basis; lernen, die richtigen Fragen zu stellen: Ich habe mich gefragt, wieso wurde der 7. März für die Attacke auf das Elektrizitätssystem gewählt? Die Achillesferse war die abhängige Wasserversorgung. Ich habe mir also die Niederschlagsmengen im Jahresverlauf in Venezuela angeschaut; das Resultat: Statistisch ist der 6. März mit der geringsten Niederschlagsmenge ausgewiesen; eine Punktlandung für den Anschlag; zumindest ein indirekter Beweis für die Theorie des Anschlages, die mir sehr plausibel erscheint; aber ich habe noch keinen direkten, harten Beweis gesehen, sondern nur Behauptungen und Gegenbehauptungen; bisher hat meines Wissens nach noch keiner auf diesen Zusammenhang hingewiesen. Jeder sollte sich vor Augen führen, wie wichtig es ist, detailliert und stetig im oben genannten Sinne über Venezuela zu berichten; Venezuela steht für Lateinamerika; möglicherweise sind wir Zeuge einer Epochenwende, der Niederlage des Imperialismus in bezug auf die freie autonome Entwicklung hin zum Sozialismus in ihrem selbstreklamierten »Hinterhof«; deshalb ist es so wichtig, die Realität detailliert zu studieren; auch für eine Fehleranalyse, wenn es nicht zu Erfolg führt! Dr. konstantin westphal berlin

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