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Aus: Ausgabe vom 17.04.2019, Seite 2 / Ausland
Frankreich

Kollekte für Kirche

Nach Brand in Pariser Notre-Dame: Millionäre und Politiker lassen Gelder fließen
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Verkohlte Fassade: Die Kathedrale Notre-Dame am Dienstag nach dem Großbrand

Nach dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame am Montag abend stehen Regierende und Reiche Schlange, um Frankreich mit Millionenspenden beim Wiederaufbau des religiösen Tempels zu unterstützen. Die Milliardärsfamilie Pinault kündigte an, 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen zu wollen. »Diese Tragödie trifft alle Franzosen«, greinte François-Henri Pinault, dessen Kering-Konzern unter anderem Modeartikel der Marken Gucci, Saint Laurent und Balenciaga vertreibt. Am Dienstag morgen folgte die Unternehmensgruppe LVMH mit Marken wie Moët Hennessy und Louis Vuitton und versprach eine Spende von 200 Millionen Euro.

In Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) meldete sich der König von Sanwi im Südosten des Landes zu Wort. »Wir werden für den Wiederaufbau dieses Monuments spenden«, sagte Amon N’Douffou V. der Nachrichtenagentur AFP. Er habe eine schlechte Nacht verbracht, die Bilder des Großbrandes hätten ihn im Schlaf verfolgt, so Amon N’Douffou weiter.

Zwei ungarische Städte – Szeged und Szekesfehervar – wollen jeweils 10.000 Euro spenden. Szegeds Bürgermeister Laszlo Botka begründete das damit, dass seine Gemeinde vor 140 Jahren nach dem Hochwasser von 1879 aus Paris Hilfe beim Wiederaufbau erhalten habe. Im zentralungarischen Szekesfehervar sagte Bürgermeister Andras Cser, dass seine Kommune den Schmerz der Pariser gut nachfühlen könne: Während der Kämpfe im Krieg mit dem Osmanischen Reich 1601 habe Szekesfehervar einen mittelalterlichen Dom verloren.

Auch in Deutschland ging die Spendenmaschine los. Der deutsche CDU-Politiker Friedrich Merz, hauptberuflich Aufsichtsrat des Vermögensverwalters Blackrock, twitterte: »Wir sollten eine Bürgerinitiative ins Leben rufen, die im ganzen Land Spenden sammelt für den Wiederaufbau dieses überragenden europäischen Kulturguts.« Das blieb nicht unwidersprochen. Das Onlineportal Lower Class Magazine twitterte zurück: »Der Scheißverein, für den der arbeitet, könnte die Kapelle locker aus der mit Cum-Ex-Geld gefüllten Portokasse zehnmal wieder aufbauen, aber hey, klar, schnorr uns an, damit du mit deinem Privatflieger auf Kultururlaub nach Paris tingeln kannst, du Geldsack.«

US-Präsident Donald Trump hatte noch am Montag abend einen Ratschlag für die Feuerwehrleute in Paris getwittert: »Vielleicht könnten fliegende Wassertanks eingesetzt werden, um sie zu löschen.« Der Sprecher des französischen Katastrophenschutzes, Michaël Bernier, war von dem Vorschlag wenig begeistert: »Das wäre, wie mit der Kathedrale Bowling zu spielen, alles würde in sich zusammenfallen«, sagte Bernier am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Ein Löschflugzeug könne bis zu 6.300 Liter fassen. Das entspreche einem »Betonblock von drei Tonnen, geworfen mit einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern«, erklärte Bernier. Diese Wassermassen würden zwei Türme treffen, die vom Einsturz bedroht sind. (AFP/dpa/jW)

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