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Vorwärts in Richtung Gerechtigkeit

Kolumne von Mumia Abu-Jamal
Von Mumia Abu-Jamal
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Zum ersten Mal seit Jahren werden unsere Kräfte wieder spürbar stärker, bilden eine Einheit, und wir schreiten voran. Im kalifornischen Berkeley fand am 6. April 2019 die Konferenz »Mumia Abu-Jamal: Ein Abend für Gerechtigkeit und Freiheit« statt. Die Liste der teilnehmenden Aktivistinnen und Aktivisten zeigt, dass eine neue Phase des Freiheitskampfes begonnen hat. Das soll nicht heißen, dass die Bewegung davor stillstand. Nein, sie war nicht untätig. Sie führte einen wichtigen Kampf für das Leben und die Gesundheit von Gefangenen und hatte damit Einfluss auf das Gefängnissystem im ganzen Land.

Ich spreche hier von dem Versuch des Staates, die Behandlung der weitverbreiteten Infektionen mit Hepatitis C zu verweigern, einer Krankheit, an der mehr als 700.000 Männer und Frauen in den überfüllten US-Gefängnissen leiden. Unsere Leute kämpften beherzt in Gerichtssälen und auf der Straße für die Behandlung kranker Häftlinge, die wie ich an »Hep C« leiden. Sie forderten Veränderungen und setzten diese auch durch!

Joseph Harris, ein schwarzer Arzt und Internist aus New York, sagte als Sachverständiger vor Gericht aus und klärte die Welt über Hepatitis C auf. An seiner leidenschaftlich vorgetragenen Expertise zerbrach die Blockadehaltung der US-Gefängnisbehörde gegenüber einer angemessenen medizinischen Versorgung der Gefangenen. Harris ermöglichte ein Grundsatzurteil, das der Dringlichkeit der Hepatitis-C-Heilbehandlung entsprach. Er wurde dabei von unseren Anwälten Bret Grote und Robert Boy le unterstützt, und sie setzten damit ein Zeichen. Schon bald wurde Tausenden Häftlingen geholfen. Wir haben nun die Chance auf Heilung und ein längeres Leben. Auch die breite Solidarität der Unterstützerbewegung machte das möglich.

Diesen Kampf für Leben und Freiheit setzen wir fort. Darüber sprachen auf der Konferenz Leute wie Angela Davis, die selbst Anfang der 1970er Jahre unter einer Anklage stand, die ihr die Todesstrafe hätte bringen können, wenn sie nicht eine weltweite Solidaritätsbewegung befreit hätte. Als Aktivistin und Wissenschaftlerin ist sie eine der wichtigen Mitbegründerinnen der Widerstandsbewegung zur Abschaffung des gefängnisindustriellen Komplexes der USA. Auch die Schriftstellerin und Feministin Alice Walker kämpft wie eine Löwin für diese Ziele, gemeinsam mit Judith Ritter, Strafverteidigerin und Juraprofessorin an der Widener University, und Pam Africa, »Ministerin für Konfrontation« der Move-Bewegung und Gründerin des Komitees »International Concerned Family and Friends of Mumia Abu-Jamal«. Und mit Jeff Mackler, Generalsekretär der Partei »Socialist Action« und Herausgeber ihrer gleichnamigen Zeitung. Ein radikaler Aktivist, der sich schon sein ganzes Leben für Basisbewegungen und die Kämpfe gegen imperiale Kriege einsetzt – sowie für meine und früher auch die Freiheit der Bürgerrechtsanwältin Lynn Stewart (1939–2017).

Mit Grußbotschaften waren auf der Konferenz vertreten: Professorin Ula Taylor, Direktorin des »Department for African American Studies« an der Berkeley University, die im Knast Vorlesungen für Gefangene hält, und Stephen Bingham, Expräsident der Ortsgruppe der Anwältevereinigung »National Lawyers Guild« in San Francisco und Strafverteidiger im Ruhestand, der als junger Anwalt beschuldigt worden war, 1971 eine Waffe zur Befreiung George Jacksons in den Knast von Soledad geschmuggelt zu haben. Bingham lebte damals dreizehn Jahre im französischen Exil, bevor er in die USA zurückkehrte und vor Gericht von dem Vorwurf freigesprochen wurde.

Sie alle sind Stimmen des Widerstandes, der Rebellion, des Kampfes für ein anderes Leben und für Freiheit. Gemeinsam machen wir unsere Bewegung wieder stärker. Die Luft riecht nach Freiheit. Dies ist unsere Zeit, in der wir die Bewegung mobilisieren, die den notwendigen gesellschaftlichen Wandel bewirkt. Die Zeit ist reif. Wir alle sind diese Veränderung. Wollt ihr euch nicht anschließen?

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