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Aus: Ausgabe vom 11.04.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Wesen des Imperialismus

Zu jW vom 3.4.: »Keine Feuerpause über ­Ostern«

Ich danke der jW für diese Rekapitulation. Zum Zeitpunkt des Überfalls auf Jugoslawien war ich gerade zehn Jahre alt, und das gut zwei Monate entfernte Champions-League-Finale interessierte mich weit mehr als der Krieg. Ich fand es irgendwie cool, dass »wir« scheinbar die Guten waren (wie »Tagesschau« und Co. zu entnehmen war), aber sonst hat mich das damals wenig interessiert. Nur wenige Jahre später stieß ich dann allerdings darauf, was damals wirklich passiert ist. Diese frühe Lektion über »humanitäre Interventionen« half mir, (…) das Wesen des Imperialismus besser zu verstehen.

Ralph Petroff, per E-Mail

Lösung Genossenschaft

Zu jW vom 8.4.: »Den Kiez zurückholen«

Ein gescheitertes Regime wie das der unsozialen BRD, das sogar faschistoide Parteien fördert, um den eigenen Untergang etwas hinauszuzögern, da man sich im Irrglauben befindet, so den Zorn der Bevölkerung ablenken zu können (…), ist auch nicht bezähmbar durch Pseudovergesellschaftung von turbokapitalistischen Vermieterklitschen. Seht Euch in Berlin-Pankow den Stiftsweg an! Die dortigen Häuser kenne ich seit meiner Kindheit, da meine Tante und mein Onkel dort wohnten. Für null D-Mark dem Senat 1990 übertragen, sind sie heute in einem nie dagewesenen Jammerzustand (gebaut in den 1960ern, made in GDR). Genossenschaften auf echt gemeinnütziger Basis, das scheint mir die einzige sinnvolle Lösung zu sein. Es sei auch an den Neue-Heimat-Skandal à la Westpseudogewerkschaften erinnert. Das hatte der DDR-FDGB nicht nötig, da dieser mehr Einfluss und Vermögen zum Nutzen seiner Mitglieder verwandte als sein Westpendant.

Christian Dirk Ludwig (Die Linke), Hohen Neuendorf

Zeter und Mordio

Zu jW vom 6./7.4.: »Spekulanten aller Länder, verpisst euch!«

Nun ist »Zeter und Mordio« angesagt bei den Vertretern des Kapitals. Enteignung! (…) Wir müssen klarmachen, dass in diesem Lande fast täglich Enteignungen stattfinden: Die Bewohner ganzer Dörfer werden enteignet, wenn da Monopolkonzerne Braunkohle abbaggern wollen; Ackerland, Wiesen, Weiden, Wälder werden den Bauern genommen, um Straßen, Autobahnen, Stromtrassen und sonstige »Infrastrukturprojekte« zu ermöglichen. Von der Enteignung der Menschen und des Staates (Wohngeld) durch exorbitante Mieten habe ich noch gar nicht gesprochen.

Armin Christ, per E-Mail

Zersplitterte Linke

Zu jW vom 8.4.: »Politik der Vereinfachung«

Ich frage mich, warum so ein Beitrag wie dieser über Sahra Wagenknecht in der jW erscheint. In vielen Dingen hat sie doch meines Erachtens recht. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2015 sagt: »Wir schaffen das«, müssen auch die Voraussetzungen dazu vorliegen bzw. geschaffen werden. Das ist bis heute nicht der Fall. Migranten warten zum Beispiel ein Jahr lang darauf, einen Deutschlehrgang besuchen zu können. Es geht auch nicht darum, wann ein Migrant bundesdeutschen Boden betreten hat. Im Fall Anis Amri haben wohl unterschiedliche Behörden vor, während und nach dem Attentat versagt und tun das heute immer noch. Das muss analysiert werden. Mit der Bewegung »Aufstehen« hat Wagenknecht versucht, Linke unseres Landes zu einen. Das ist eine Sache, die notwendiger nicht sein kann. »Aufstehen« war noch nicht gegründet, da ging eine Schlammschlacht gegen Sahra Wagenknecht los – bedauerlich, dass besonders Mitglieder der Partei Die Linke mit dabei waren. Wie stellt sich Autor Knut Mellenthin denn vor, AfD-Wähler überzeugen zu können, eine andere Partei zu wählen (…)? Mit dem Motto »Weiter so!« wird ihm das auf keinen Fall gelingen. Da muss schon eine Analyse her, warum Wähler den rechten Rand wählen. Wenn Mellenthin der Meinung ist, dass Wagenknecht hier irrt, dann sollte er sagen, wie er das klüger sieht. Die Linke ist zersplittert wie 1932/1933. Die Partei, die sich »Linke« nennt, ist mit sich beschäftigt und hat außer populistischen Phrasen auf Wahlplakaten fast nichts zu bieten. Das »fast« bezieht sich auf die Abgeordneten, die im Bundestag eine sehr gute Arbeit machen und dort immer wieder große und kleine Anfragen an den Bundesregierung stellen wie Ulla Jelpke, Inge Höger und andere. Eine kritische Stimme wie die von Sahra Wagenknecht wird der »Linken« fehlen.

Bärbel Wolterstädt, per E-Mail

Nicht nur Stückwerk

Zu jW vom 8.4.: »Politik der Vereinfachung«

Ich verstehe die Aufregung über Knut Mellenthins Artikel nicht. Er hat doch in wichtigen Punkten recht. Die übliche Rede von der Notwendigkeit des »Sich-wieder-sicher-fühlen-Könnens« suggeriert, dass »kriminelle« Flüchtlinge am Gefühl der Unsicherheit schuld seien. Ich aber fühle mich schon seit der Konterrevolution unsicher, weil ich wegen Arbeitslosigkeit, Zwangsrente, Herunterrechnen der »sozialen« Zuschüsse durch die Ämter mein Leben nicht mehr planen kann und nicht so sinnvoll leben kann wie in der DDR. Das liegt am System und nicht an den Flüchtlingen, die meist noch viel mieser behandelt werden. Und dieses System kritisiert Wagenknecht zwar in einzelnen Punkten, aber nicht im Grundsatz, sie ist z. B. nicht mehr für die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und der Bereiche, die so unklar »Daseinsvorsorge« genannt werden. Und das Kaputtsparen der Polizei ist zwar eine Tatsache, aber das rechte Gedankengut in deren Kreisen auch, ebenso wie in manchen Ämtern etwa im Landkreis Märkisch-Oderland. (…) Man muss doch ein eigenes Gesellschaftskonzept entwickeln, statt nur Stückwerk abzuliefern (…) wie »Vorschläge« für neue Hartz-IV-Sätze, zur Höhe des Grundeinkommens, zum Mindestlohn. Die Linke einschließlich Sahra Wagenknecht ist weit entfernt vom realen Leben der ärmeren Bevölkerungsschichten und sich offenbar auch nicht der Gefahren des ungebremsten Kapitalismus für die Menschheit bewusst.

Martina Dost, Görlsdorf bei Seelow (per Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Die Linke einschließlich Wagenknecht ist weit entfernt vom Leben der ärmeren Bevölkerungsschichten und sich auch nicht der Gefahren des Kapitalismus bewusst.