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Aus: Ausgabe vom 10.04.2019, Seite 10 / Feuilleton

Bath, Hein

Von Jegor Jublimov
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»Gegenlauschangriff« gestartet: Christoph Hein

»Die Heli, die Weigel, schickte mich zu Brecht, aber der mochte mich nicht – und ich ihn auch nicht«, erzählte Evamaria Bath vor ein paar Tagen in einem Filmgespräch im Berliner »Kaffe«. Trotzdem wurde Bath eine bewunderte Schauspielerin der Berliner Theaterszene. Vor 25 Jahren spielte sie die Titelrolle in der »Tatort«-Folge »Tod einer alten Frau«. Nach weniger als fünf Minuten musste sie sterben. Regisseur Matti Geschonneck brauchte eine Schauspielerin, die eine so markante Ausstrahlung hatte, dass sie dem Zuschauer in den folgenden Szenen vor Augen blieb.

Für Bath waren solche Rollen allerdings unbefriedigend. Sie hatte kurze, erfolgreiche Theaterjahre in Thüringen hinter sich, als sie 1954 nach Berlin kam, wo sie fast vier Jahrzehnte lang dem Maxim-Gorki-Theater angehörte. 1951 spielte sie bereits die Hauptrolle im DEFA-Film »Zugverkehr unregelmäßig«. Weitere Filmauftritte folgten sporadisch, denn die Theaterarbeit und ihre beiden Kinder ließen ihr wenig Spielraum. Als Komödiantin konnte sie sich unter anderem in einer Franz-Fühmann-Verfilmung für Kinder beweisen. In »Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen« (1964) war sie die Frau Sassafrass. Ihr Mann Hubert Hoelzke besetzte sie unter anderem 1987 als Täterin in der »Polizeiruf«-Folge »Die letzte Kundin«. Am Freitag wird Evamaria Bath 90 Jahre alt. Vielleicht kann sie sich doch noch dazu entschließen, ihre Erinnerungen aufzuzeichnen.

Christoph Hein steht derzeit offenkundig im Zenit seiner Produktivität. Er ist ja auch erst 75 geworden am Montag. Das Jahr ist noch nicht alt, und sein Kinderbuch »Alles, was du brauchst« erregte schon einiges Aufsehen, dazu gibt es seine Übersetzung des Romans »Am Ende ein Blick aufs Meer« aus dem Englischen. En passant erschien sein Roman »Glückskind mit Vater« in Paris auf französisch, und nicht zuletzt machte sein neuer Anekdotenband »Gegenlauschangriff« von sich reden. Hier erzählt er Hintergründe zu Erfahrungen, die er als früherer DDR-Schriftsteller machen musste. Es geht da etwa um den Gegenwind aus der Presse, als er 2004 die Intendanz des Deutschen Theaters übernehmen sollte (was er dann ließ), oder um die Verfälschung einiger seiner Erlebnisse im Gruselmärchenfilm »Das Leben der Anderen« (2006), der mit Preisen bis zum Oscar überhäuft wurde.

Immer wieder haben Heins Stoffe den Weg auf Bildschirm und Leinwand gefunden, angefangen mit dem antifaschistischen DFF-Film »Passage« (1988, mit Jenny Gröllmann als Lisa). Das Potsdamer Filmmuseum ehrt den Jubilar morgen mit der Vorführung des DEFA-Films »Der Tangospieler«, in dem Michael Gwisdek 1990 die Titelrolle spielte. Christoph Hein wird sich den Fragen des Radiojournalisten Peter Claus stellen.

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