Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
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Aus: Ausgabe vom 05.04.2019, Seite 4 / Inland
AfD promotet Antifa

»Die haben uns auf dem Schirm«

AfD-Schreck an der Elbe: In Hamburg stellte sich die »Antifa Altona Ost« vor
Von Kristian Stemmler
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Schüler verschiedener Schulen stehen mit Solidaritätsbekundungen für Antifagruppen zwischen dem Helene-Lange-Gymnasium und der Ida-Ehre-Schule (26.3.2019)

Sogar von Darmstädter Schülern gab es eine Solidaritätsadresse. Der vom Hamburger Abendblatt und der AfD-Fraktion in der Bürgerschaft in Szene gesetzte »Skandal« um Aufkleber der »Antifa Altona Ost« (AAO) an der Hamburger Ida-Ehre-Schule (siehe jW vom 22.3.19) hat der Gruppe überregionale Bekanntheit und große Unterstützung eingebracht. Mittwoch abend stellten sich drei Vertreter der AAO beim Jour fixe der Gewerkschaftslinken Hamburg im Curiohaus der Diskussion und berichteten über ihre Aktivitäten.

Der Termin war schon vor der medialen Aufregung um die Ida-Ehre-Schule vereinbart worden, aber die umfangreiche Berichterstattung über die »Sticker-Affäre« sorgte noch einmal für erhöhte Aufmerksamkeit, so dass der Raum sehr gut gefüllt war. Die drei Aktivisten, die mit ihren Vornamen Rosa, Jan und Lukas vorgestellt wurden, gaben zunächst einen Überblick über das Engagement der erst vor einem Jahr gegründeten Gruppe. Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Antifagruppe mit zielgerichteten Aktionen und guter PR-Arbeit erfolgreich sein kann.

Die AAO beteiligte sich schon früh mit eigenen Blöcken an Demonstrationen wie dem »Mietenmove« oder Kundgebungen der Bewegung Seebrücke. Sie stellte das Bündnis »Jugend gegen rechts« mit auf die Beine und erarbeitete Flyer zu wichtigen Themen, etwa zum NSU-Prozess. Für Präsenz im Straßenbild und Verbreitung des Namens sorgen Sticker der AAO. Großen Wert lege man auch auf Aktivitäten in den »sozialen Medien«, so die Aktivisten: »Da sind junge Leute heute halt am einfachsten zu erreichen.«

Dass die AfD ausgerechnet ihre Sticker skandalisierte, hängt aus Sicht der AAO damit zusammen, dass die Gruppe frühzeitig gegen das von der Partei im September 2018 initiierte Petzportal »Neutrale Schulen« mobilisierte. »Da fing die AfD an, Anfragen in der Bürgerschaft zu uns zu stellen, und wir merkten, die haben uns auf dem Schirm«, hieß es am Mittwoch. Dass fast alle Medien die Darstellung der AfD, an der Schule werde »linksextremistische Propaganda« getrieben, übernahmen, sei eine »krasse Situation« gewesen.

In der Diskussion gab es Beifall für die Aussage einer Zuhörerin, dass auch die Schulbehörde »an den Pranger gehöre«, weil sie auf Zuruf der AfD noch in den Märzferien die Aufkleber habe entfernen lassen. Der Vater einer Schülerin des Helene-Lange-Gymnasiums, Nachbarschule der Ida-Ehre-Schule, berichtete von den Vorgängen um ein Referat des AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Wolf in einer zehnten Klasse des Gymnasiums (siehe jW vom 1.4.19). Er habe den Schulleiter darauf hingewiesen, dass Wolf auch Initiator des AfD-Onlineprangers und tief im rechten Milieu verankert sei. Doch der Schulleiter habe sich geweigert, das Referat abzusagen, und ihm statt dessen mit Hausverbot gedroht.

Dass Wolf von der Schulbehörde an das Gymnasium vermittelt worden war, brachte bei der Linksfraktion in der Bürgerschaft das Fass zum Überlaufen. Am Mittwoch forderte sie den Rücktritt von Schulsenator Ties Rabe (SPD). Mit der Vermittlung von Wolf als »vermeintlichen Experten für Menschenrechte und Extremismus« habe sich der Senator »zum Erfüllungsgehilfen der rechtsextremen AfD gemacht«, erklärte Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion in einer Pressemitteilung. Die »andauernde Bagatellisierung der AfD« mache deutlich, »wie technisch Rabes Verständnis von Demokratie ist«.

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