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Aus: Ausgabe vom 03.04.2019, Seite 16 / Sport

Bärenstark

Von André Dahlmeyer
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Bester Start für Boca Juniors seit 2003 – auch dank Trainer Gustavo Alfaro

Einen wunderschönen guten Morgen! Freitag, am vorletzten Spieltag der argentinischen Superliga (SAF), sicherten sich die Boca Juniors im eigenen Stadion »Bombonera« mit einem 2:0 gegen die jungen Wilden des von Stürmerlegende Hernán Crespo gecoachten Clubs Atlético Banfield den dritten Coupon für die Teilnahme an der Copa Libertadores 2020. Die Treffer für das Team von Gustavo Alfaro machten »Wanchope« Ábila, der allerdings zwei Meter im Abseits stand, und Shootingstar Cristian Pavón. Für Boca war es, auch dank des von Huracán gekommenen Trainers Alfaro, der beste Start ins »neue« Jahr seit 2003.

Samstag zog der Weltranglistenerste River Plate nach, der, nach zwei Toren von »Nacho« Fernández, im Estadio Córdoba bei Talleres gewann und sich so den Play-off-Platz für die Libertadores im kommenden Jahr sicherte. Das zweite Tor von »Nacho« kam durch einen rasch ausgeführten Freistoß aus der Diagonalen zustande – ein lasziver Heber, der hinter dem etwas zu weit draußen stehenden Torwart wie ein Stein in den Kasten der Gastgeber plumpste. Auch dies ein nicht regelgerechter Treffer. Denn wenn beim Annoncieren eines Freistoßes eine gelbe Karte im Spiel ist, reicht es nicht, den Ball per Geste freizugeben. Der Schiri muss pfeifen! Tat er aber nicht, und die Geste hat auch niemand bemerkt.

In Avellaneda empfing Independiente das von Bielsa-Schüler Gabriel Heinze betreute Team von Vélez Sársfield aus dem Speckgürtel von Buenos Aires. Beide kämpfen um einen Platz in der Copa Sudamericana und brauchten die Punkte dringend. Ausgerechnet Leandro Fernández brachte den »Fortín« im ersten Abschnitt in Führung. Nach dem Seitenwechsel drehten die Gastgeber das Match. Dem zuletzt formschwachen Mittelstürmer Silvio Romero gelang der umjubelte Ausgleich, und als Pablo Pérez, im Dezember noch Kapitän der Boca Juniors, die Kugel kurz vor Schluss frivol zum 2:1-Siegtreffer über die Linie bugsierte, war das Stadion »Libertadores de América« das reinste Tollhaus.

»Papstklub« San Lorenzo de Almagro aus dem Gerberviertel Boedo rettete mit Mühe und Not ein Einserremis gegen Gimnasia y Esgrima La Plata und verteidigt eisern den letzten Platz der Tabelle. Am Ende des Campeonats werden dem »Ciclón« wegen Unregelmäßigkeiten bei der Zahlung der Spielergehälter zudem sechs Punkte abgezogen. Hintergrund ist die Abwertung des argentinischen Peso im letzten Jahr um etwa 150 Prozent. Die Spieler haben jedoch Dollarverträge. Da dieses Missverhältnis auch andere Klubs betrifft, steht möglicherweise eine Abwanderung von Spielern ins Ausland bevor. Zu befürchten ist ferner, dass sich die überlebenden Klubs in Aktiengesellschaften verwandeln – eine Obsession von Staatspräsident Mauricio Macri.

Racing Club machte am Sonntag in einem Herzschlagfinale, da der Tabellenzweite Defensa y Justicia zu Hause in Varela nicht über ein 1:1 gegen Unión hinauskam, den Sack zu und sicherte sich durch ein 1:1 bei Tigre den 18. Meisterschaftstitel der Vereinsgeschichte. In beiden Partien wurden sechs Minuten nachgespielt, in denen Racing und Unión jeweils den Ausgleich kassierten.

Für Racing ist es, nach 2014, der zweite Titel in fünf Jahren, etwas, das der »Academia« zuletzt 1961 und 1966 gelang. Das Team von »Chacho« Coudet stellte den besten Angriff, hatte die beste Abwehr, verlor insgesamt nur zweimal, blieb zu Hause als einziger Verein ungeschlagen und stellt mit »Licha« López, dem ehemaligen Goalgetter des FC Porto und von Olympique Lyon, auch den Torschützenkönig der Superliga mit 17 Treffern. Mit 36 Jahren wurde der »Rädelsführer« Racings nun zum ersten Mal auch argentinischer Meister. Bärenstark.

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