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Aus: Ausgabe vom 03.04.2019, Seite 11 / Feuilleton

Tomaschewsky, Klebsch

Von Jegor Jublimov
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Ein Mann auch für düstere Sozialkrimis: Joachim Tomaschewsky (rechts, mit Martin Wuttke) in »Heimwärts« (2010)

Er war schon auf der Zielgeraden auf dem Weg zum 100. Geburtstag am Montag dieser Woche, aber vor knapp zwei Monaten starb Joachim Tomaschewsky, der im Oktober noch gutgelaunt am Treffen der Hundertjährigen in Potsdam teilgenommen hatte. »Tommi«, wie er unter Kollegen genannt wurde, war den meisten DDR-Bürgern, die ins Kino gingen und fernsahen, gut bekannt. Den Besuchern der Berliner Volksbühne erst recht, und das bis er dort nach über 50jähriger Mitgliedschaft mit 94 den Dienst quittierte. Gekommen war er seinerzeit gemeinsam mit seiner Frau Gisela Morgen aus Leipzig, wo beide ein Jahrzehnt lang den Spielplan des Schauspielhauses mitgeprägt hatten. Von Wolfgang Heinz über Benno Besson bis zu Frank Castorf hat Tomaschewsky Generationen von Regisseuren an der Volksbühne produktiv begleitet. Er beeindruckte meist in Nebenrollen mit Präzision und Überzeugungskraft, gelegentlich auch als Gast im sowjetischen (»Schlacht um Moskau«, 1985) und amerikanischen Film (»Der Vorleser«, 2008).

Tomaschewskys Bandbreite reichte vom Kommissar zum Opfer, vom Militär zum Friedensfreund, und in Filmen über Bettina von Arnim (1972) und Max Dortu (1976) verkörperte er den preußischen König Friedrich Wilhelm IV., dem er tatsächlich ähnlich sah. In Fernsehfilmen von Rudi Kurz übernahm Tommi zentrale Rollen, etwa in der Kundschafter-Trilogie »Der Mann aus Kanada«, »Treffpunkt Genf« und »Projekt Aqua« (1967–69), wo er einen zwielichtigen Herrn Müller gab, und in der antifaschistischen Serie »Archiv des Todes« (1980), als er den unheilbringenden Obersturmführer Beisel spielte. Mit der Hauptrolle in der »Tatort«-Folge »Heimwärts« verabschiedete sich der damals 91jährige 2010 von der Filmarbeit.

Im »Archiv« wie auch im historischen Mehrteiler »Scharnhorst« (1978) spielte außer Tomaschewsky auch K. Dieter Klebsch mit (von dem nicht nur Eingeweihte wissen, dass er Klaus heißt). Er hatte zweifellos eine interessante Kindheit und Jugend, denn schon in den fünfziger Jahren schnupperte er bei der DEFA in den Schauspielerberuf hinein, um sich dann doch für eine Sportlerlaufbahn zu entscheiden. Er ruderte im Doppelvierer sechs Jahre lang in der Jugendnationalmannschaft der DDR, auch als er schon an der damaligen Staatlichen Schauspielschule Berlin studierte. Engagements führten ihn nach Cottbus, Senftenberg und in seine Heimatstadt Potsdam, wo er 1985 z. B. in der doppelten Titelrolle des dünnblütigen DEFA-Lustspiels »Der Doppelgänger« vor der Kamera stand. Seit 1976 setzte er seine wandlungsfähige Stimme beim Hörspiel und in der Synchronisation ein. Für seine Arbeit mit der Titelrolle der US-Serie »Dr. House« erhielt er 2008 den Deutschen Synchronpreis. Mit der Karriere vor der Kamera hat er abgeschlossen, aber vielleicht kommt nach dem morgigen 70. ja etwas Neues?

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