Gegründet 1947 Dienstag, 23. April 2019, Nr. 94
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Rassismus im Stadion

Von Kristian Stemmler
Fototermin_Hannover_46655774.jpg
Noch immer wird das Problem gern verdrängt: Fototermin in Hannover, Herbst 2015

Hannover. In Zeiten des allgemeinen Rechtsrucks ist zu begrüßen, dass der Rassismus in Fußballstadien zum Thema wird. Einigen medialen Wirbel gab es da nach dem Länderspiel BRD gegen Serbien am Mittwoch in Wolfsburg. Ausgelöst hatte ihn der freie Journalist André Voigt, der für den Streamingdienst Dazn Spiele der US-Basketballliga NBA kommentiert und privat mit seiner Familie im Stadion gewesen war. In einem Facebook-Video schilderte er, wie drei Männer in der Reihe hinter ihm ausdauernd die Nationalspieler Leroy Sané (als »Neger« und »Bimbo«) und Ilkay Gündogan (als »Türken«) beschimpft hatten – nur er habe etwas dagegen gesagt.

Der Chef des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel, beeilte sich mit der Absichtserklärung, die drei Typen, die »unsere Nationalspieler auf diese widerliche Weise beleidigt haben«, anzuzeigen und Stadionverbote gegen sie zu verhängen. Unter dem öffentlichen Druck meldeten sich die Männer am Freitag bei der Polizei, wie der NDR berichtete. Ermittlungen wegen Verdachts der Volksverhetzung seien eingeleitet.

Im eine Autostunde von Wolfsburg entfernten Hannover befasste sich am Freitag eine Podiumsdiskussion mit dem Thema Rassismus im Stadion. Für Unruhe hatten im Vorfeld anonyme Mails und Anrufe gesorgt, in denen Störungen der Veranstaltung angedroht wurden, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete. Auslöser war offenbar, dass ein Vertreter der linken Initiative »Hannover rechts außen« zur Diskussion eingeladen war. Zu den angedrohten Störungen kam es dann nicht. Mit lautstarken Protesten wurde lediglich der Redebeitrag eines AfD-Kommunalpolitikers übertönt.

In der Diskussion machte der Vertreter von »Hannover rechts außen«, der zu seiner Sicherheit anonym bleiben wollte, auf rechte Tendenzen in der Fanszene von Hannover 96 aufmerksam. »Offizielle des Vereins und der Polizei wollen keinen Rechtsruck in der Kurve sehen und verdrängen das Problem«, sagte er laut HAZ. Vor kurzem sei eine linke Ultra-Gruppe von rechten Fans aus der Kurve verdrängt worden, ohne dass es dagegen Widerstand gegeben hätte: »Weil das physische Gewaltpotential der Rechten viel höher ist.« Ewald Lienen, früherer 96-Trainer und heute Technischer Direktor beim FC St. Pauli, erklärte: »Wir können nicht alles der Polizei überlassen und müssen mehr Zivilcourage zeigen, wenn wir etwas beobachten.«

Mehr aus: Sport