Hände weg von Venezuela! Solidaritätsveranstaltung am 28. Mai
Gegründet 1947 Sa. / So., 25. / 26. Mai 2019, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2189 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 8 / Ansichten

Nazikollaborateure des Tages: Familie Reimann

Von Kristian Stemmler
Pk_zu_25_Jahre_Deuts_49449503.jpg
Reimann-Manager Peter Harf

Kennen Sie die Reimanns? Nein, nicht den aus dem Fernsehen bekannten Auswanderer Konny Reimann und seine Frau, sondern die Milliardärsfamilie. Die Dynastie aus Baden-Württemberg macht ihr Geld mit Reinigungsmitteln und gilt als eine der reichsten Familien des Landes, ist aber noch öffentlichkeitsscheuer als die Aldi-Brüder. Und der Clan hat – wer hätte das gedacht? – in der Nazizeit mit den Machthabern paktiert.

Ausgerechnet Bild am Sonntag (BamS), bei diesem Thema bisher nicht als Speerspitze des investigativen Journalismus aufgefallen, grub Dokumente aus, die das unterstreichen. In den Werken und der Privatvilla der Firmenpatriarchen Albert Reimann sen. und Albert Reimann jun. in Ludwigshafen sei es in der Nazizeit zu Gewalt gegenüber Zwangsarbeitern gekommen. Osteuropäische Arbeiterinnen seien von Firmenmitarbeitern gezwungen worden, nackt in ihrer Baracke anzutreten. Zwangsarbeiter seien getreten und geschlagen worden, darunter auch eine Russin, die im Haus der Reimanns putzte.

Familiensprecher Peter Harf gab sich einsichtig. Die Recherchen seien völlig korrekt, attestierte er der BamS. Reimann senior und junior hätten sich vergangen und »eigentlich ins Gefängnis gehört«. Das lässt sich heute natürlich gut verkünden, denn die beiden sind längst tot, der Senior starb 1954, der Junior 1984.

Bei Wikipedia wird letzterer als »deutscher Unternehmer und Politiker der NSDAP« bezeichnet. Mit Marken wie Calgon, Kukident und Sagrotan habe er den Grundstein für den Reichtum der Familie gelegt, 1973 das »Große Bundesverdienstkreuz mit Stern« bekommen. Wer soviel für die Sauberkeit in deutschen Haushalten getan hatte, bei dem störten ein paar braune Flecken auf der weißen Weste selbstverständlich nicht.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

Mehr aus: Ansichten