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Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 4 / Inland
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Denunziation wird Eigentor

Solidaritätswelle für Hamburger Schule nach Kampagne von AfD und Abendblatt
Von Kristian Stemmler
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Oberstufenhaus der Ida-Ehre-Schule in Hamburg

Das ging nach hinten los. Das Denunzieren der Hamburger Ida-Ehre-Schule ist für die AfD-Fraktion in der Bürgerschaft zum Eigentor geworden. Gewerkschaften, Politiker, Lehrer und Schüler unterstützen die Schule. Sonntag nachmittag organisierte ein breites Bündnis eine Solidaritätsdemo. »Es kann nicht sein, dass Antifaschismus kriminalisiert wird und dass sowohl große und etablierte Medienhäuser als auch der Hamburger Senat blind der Darstellung der AfD folgen«, heißt es im Aufruf der Gruppe »Antifa Altona Ost« (AAO).

Den vermeintlichen Skandal hatten AfD und Hamburger Abendblatt Hand gemeinsam ausgelöst. Im Stil der AfD echauffierte sich die meistgelesene Zeitung der Hansestadt am Dienstag unter anderem über eine Pinnwand mit Aufklebern der AAO in einer 12. Klasse der Ida-Ehre-Schule (jW berichtete am Freitag). Fotos davon waren der Fraktion über ihren Onlinepranger »Neutrale Schulen« zugespielt worden. Am Donnerstag stellte die Schule klar, dass die Pinwand Teil eines Unterrichtsprojekts war.

Dass Schüler der Schule sich antifaschistisch engagierten, sei »erfreulich und notwendig«, heißt es in einer Erklärung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Der Skandal seien nicht Antifasticker an einer »Meinungswand«, so die Bundesvorsitzende Cornelia Kerth, sondern »dass Senat, Schulaufsicht und Medien dem AfD-Schulpranger den Anschein von Seriosität verleihen«. Die Schulbehörde hatte aufgrund der AfD-Hinweise eine Beseitigung der Antifa-Sticker angeordnet.

Die VVN-BdA erinnerte an die Geschichte der Ida-Ehre-Schule. Die 1934 eröffnete und nach dem »Turnvater« Friedrich Ludwig Jahn, einem völkischen Nationalisten, benannte Schule sei eine »NS-Vorzeigeanstalt« gewesen, von der ab 1935 jüdische Schüler vertrieben worden seien. Erst 2001 wurde die Schule umbenannt, trägt seitdem den Namen von Ida Ehre, einer Schauspielerin jüdischer Herkunft, die die Shoah überlebte.

Auch Hamburgs DGB-Gewerkschaften solidarisierten sich mit der Schule. Antifaschismus in eine »Krawallecke« zu stellen sei genau das, »was die AfD will«, erklärte Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger am Freitag. Dabei dürfe man ihr nicht helfen. Fredrik Dehnerdt, Vizevorsitzender der GEW Hamburg, befand, dass eine »verkürzte Gleichsetzung von antifaschistischem Engagement mit Linksextremismus« undifferenziert sei.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Gerd Weißmann: Name verpflichtet Der Name dieser Schule verpflichtet! Antifa ist keine Partei, schon gar nicht extremistisch. Antifa ist eine Weltanschauung gegen Faschismus. Da sollte sich der Verfassungsschutz raushalten, sonst ......

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