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Aus: Ausgabe vom 18.03.2019, Seite 2 / Ausland
Faschistischer Terror

Trauer in Neuseeland

Mindestens 50 Tote nach Anschlag eines Faschisten auf zwei Moscheen
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Trauernde in der Nähe der Masjid-al-Noor-Moschee in Christchurch in Neuseeland am Sonntag

Neuseeland steht nach dem Anschlag eines Neonazis in zwei Moscheen mit mindestens 50 Todesopfern unter Schock: Im gesamten Land wurde am Wochenende mit der muslimischen Gemeinde von Christchurch getrauert. Dort hatte der Attentäter am Freitag in den Gotteshäusern mit Schnellfeuerwaffen ein Blutbad angerichtet. Am Sonntag lagen noch mehr als 30 Menschen im Krankenhaus, teils mit lebensgefährlichen Verletzungen.

Der mutmaßliche Täter ist ein 28jähriger Faschist mit australischem Pass. Er sitzt bereits in Untersuchungshaft. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Täter allein unterwegs war. Dem Australier, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebte, droht nun wegen vielfachen Mordes lebenslange Haft.

Kurz vor der Tat hatte er eine 74seitige Kampfschrift ins Internet gestellt und sie auch per E-Mail verschickt. Er legte darin seine Motivation dar und kündigte eine Tat in Moscheen in Christchurch an. Muslime und Immigranten bezeichnet er als »Invasoren«, sich selbst als Rassisten. Er habe zudem kurz Kontakt mit dem norwegischen faschistischen Massenmörder Anders Behring Breivik gehabt. Das Gefängnis im norwegischen Skien und Breiviks Anwalt erklärten dazu, dies sei nahezu unmöglich.

Die Opfer sind mit hoher Wahrscheinlichkeit alle muslimischen Glaubens. Nach einer noch inoffiziellen Liste handelt es sich dabei um Menschen im Alter von drei bis 77 Jahren. Viele kamen aus Einwandererfamilien. Auch Flüchtlinge, etwa aus Syrien, sind darunter. Mehr als 60 Stunden nach der Tat waren am Sonntag noch nicht alle identifiziert.

Offenbar hatte der Neonazi weitere Morde geplant. »Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen«, sagte die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern. Am Samstag wurde der 28jährige von einem Gericht offiziell des Mordes beschuldigt. Zu dem Termin wurde er in Handschellen und weißer Häftlingskleidung geführt. Dabei zeigte er das »Okay«-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. In der rechten Szene gilt es auch als Geste für »White Power«. Insgesamt wurden bei dem Australier fünf Waffen sichergestellt, halbautomatische Feuerwaffen und Schrotflinten sowie Sprengstoff. (dpa/jW)

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