Gegründet 1947 Sa. / So., 23. / 24. März 2019, Nr. 70
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.03.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Fehlende Klarheit

Zu jW vom 27.2.: »Die populistische Revolte«

Bei einigen beachtenswerten Gedanken fehlt es dem Beitrag an marxistischer Klarheit. Er geht an wesentlichen Grundfragen, wie es zur heutigen Misere der Linken und zur Installierung einer von der rassistischen Lega dominierten Regierung in Italien kam, vorbei und nutzt ihr und ihrem rechten Steigbügelhalter »Fünf-Sterne-Bewegung« (M5S) bei der Verschleierung ihres politischen Charakters. Das beginnt damit, dass Salvinis Partei eben schlicht Lega (den Beinamen Nord führt sie schon seit 2017 nicht mehr) und sein Partner M5S genannt wird, ohne ihre rechte Ausrichtung auszuweisen. Mit der Rede von einer »populistisch-souveränistischen Revolte« wird diese Clique wohl kaum richtig charakterisiert. Und wieso soll sie in ihrer »hybriden Zusammensetzung schwer zu fassen« sein? Oder was soll man mit einer »Krise der repräsentativen Demokratie« anfangen? Wann soll das Kapital in den »vergangenen 20 Jahren« eine solche Demokratie hervorgebracht haben? Salvini hat sich oft genug auf die faschistischen Rassengesetze Mussolinis berufen und bekennt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu dessen Erbe. (…) Die 2016 mit Hilfe der Stimmen der faschistischen »Brüder Italiens« (FdI) als Bürgermeisterin Roms gewählte Virginia Raggi von M5S wollte sich für die Wahlhilfe mit der Benennung einer Straße in Rom nach dem früheren Mussolini-Staatssekretär und Führer der Mussolini-Nachfolgerpartei MSI (aus der die FdI hervorgingen), Giorgio Almirante, bedanken. Dazu muss man wissen, dass Almirante als Staatsekretär des »Duce« auch einen »Genickschusserlass« gegen Partisanen befohlen hatte. Nur antifaschistische Proteste verhinderten, dass Raggi ihren Entschluss umsetzen konnte. Dass der M5S-Gründer »Beppe« Grillo schon immer nach rechts schielte, ist auch kein Geheimnis. (…) Das alles muss doch dem Autor des Artikels bekannt sein. Kein Wort verliert er darüber, was dazu führte, dass die Linke »sich schließlich an den triumphierenden Liberalismus und dessen verschiedene Strömungen gehängt hat«; abgesehen davon, dass es noch immer Tausende und Abertausende standhafte Linke gibt, darunter Kommunisten. Es gehört doch zu den marxistischen Grundkenntnissen, sich des Wirkens der Revisionisten in den Reihen der Arbeiterbewegung bewusst zu sein: Sie haben mit der Liquidierung der einst kampfstarken IKP 1990 den Weg frei gemacht für den faschistischen Vormarsch. (…)

Doris Prato, per E-Mail

Anderes System

Zu jW vom 11.3.: Aus Leserbriefen an die ­Redaktion

Pünktlich zum Frauentag ertönt in den Mainstreammedien (zu denen zum Glück meine jW nach wie vor nicht zählt) wieder die alte, verlogene Leier, wonach nur mehr Frauen in die Politik müssten, damit sie mehr Rechte bekämen. Seit mehr als drei Amtszeiten haben wir nun eine Kanzlerin, und ist deshalb den Frauen etwa mehr Gleichberechtigung widerfahren? Und selbst wenn es eines Tages in ferner Zukunft einmal 51 Prozent Frauen im Deutschen Bundestag gäbe, darf man sich sicher sein, dass dann immer noch unter ihnen genügend Abweichlerinnen sein werden, die gegen die eigene Gleichberechtigung bzw. für Kriegseinsätze stimmen werden. Was ist darum nötig? Ein anderes System, in welchem die Macht des Kapitals liquidiert ist!

Thomas Klinger, per E-Mail

Leid verhindern

Zu jW vom 13.3.: »Nach einer Kette von ­Kriegen«

Vielen Dank für diesen Bericht über den Psychologenkongress! Noch mehr hätte ich mich gefreut, wenn auch noch auf die Referate der »namhaften Völkerrechtler, Friedensforscher, Soziologen und Politikwissenschaftler« eingegangen worden wäre. Außerdem frage ich mich: Gab es dort eigentlich auch Beiträge von »systemisch« arbeitenden »Familientherapeuten«? Sie waren nämlich von ihrer Ausbildung und ihrem Anspruch her mit Blick auf die krankmachenden Auswirkungen des neoliberalistischen Systems (…) angetreten, »nicht nur erfahrenes Leid zu verarbeiten, sondern auch dazu, zukünftiges Leid zu verhindern«, um auch die Verhältnisse zu ändern. Anscheinend wurden solche Therapeuten von unserem System, in dem es auch einen erbarmungslosen Konkurrenzkampf um Kassenzulassungen gibt, erfolgreich ausgebremst. So aber muss ich dankbar sein, dass die Gestalttherapeutin Katharina Stahlmann diesen Aspekt angesprochen hat.

Josie Michel-Brüning, systemische Familientherapeutin »i. R.«, Wolfsburg (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Grenze des Erträglichen

Zu jW vom 11.3.: »Ganz normale Menschen«

In Ihrem Artikel zu den »Gelbwesten« schreiben Sie: »Mehrere Menschen trugen schwere Augenverletzungen davon.« Dies stellt aber die Tatsachen nicht richtig dar. Denn es sind nicht »mehrere Menschen«, sondern vor zwei bis drei Wochen waren es schon 19, und sie haben nicht nur »schwere Augenverletzungen« davongetragen, sondern jeweils ein Auge ganz verloren. (…) Die französische Bevölkerung scheint sich noch nicht im klaren darüber, was ein derartiges, die Grenze des Erträglichen überschreitendes Vorgehen der Polizei für die Zukunft Frankreichs bedeutet.

Christophe Douté, per E-Mail

Mut zeigen

Zu jW vom 11.3.: »Nach dem Ende«

Ich verfolge schon eine ganze Weile die Diskussion um die Partei Die Linke und ihre »Reformer« und komme zum Schluss: Je mehr wir uns von der Partei abwenden, desto mehr kapitulieren wir vor diesen. Nein, jetzt erst recht alle Kraft für einen Linksruck, gehen wir mit unserer Auffassung in die Versammlungen und stellen unsere Forderungen, engagieren wir uns in den Vorständen und an der Basis. Nur »revolutionären Mut« zeigen! Es geht weniger um theoretische Diskussionen als um praktische politische Aktionen und Inhalte vor Ort. Nicht der Angriff auf Personen sollte im Vordergrund stehen, sondern das Aufzeigen von Alternativen. Seht her, so wollen wir es machen! (…) Und: Eine »rot-rot-grüne« Regierung in Thüringen ist wohl besser als eine »schwarz-rot-grüne« oder eine »schwarz-blaue«!

Carl Schulz, Nahetal-Waldau

Jetzt erst recht alle Kraft für einen Linksruck! Das Aufzeigen von Alternativen soll im Vordergrund stehen: Seht her, so wollen wir es machen!

Leserbriefe zu diesem Artikel: