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Aus: Ausgabe vom 16.03.2019, Seite 7 / Ausland
Botschaftsangriff

Schweigen des Amigos

In Spanien wurde die nordkoreanische Botschaft überfallen. Spekulationen um CIA-Verbindung
Von Carmela Negrete
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Hat er, oder hat er nicht: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un vor ihrem Treffen in Hanoi (27.2.)

Ein ungewöhnlicher Vorfall hat sich am 22. Februar gegen 15 Uhr in der nordkoreanischen Botschaft im Aravaca-Viertel in Madrid ereignet. Zehn Männer stürmten die Botschaft, fesselten und schlugen die acht Mitarbeiter, die sich dort befanden, zogen Plastiktüten über ihre Köpfe und verhörten sie mit Gewalt. Rund zwei Stunden soll die Geiselnahme gedauert haben. Anschließend entwendeten sie elektronische Dokumente und verließen das Gebäude. Eine Mitarbeiterin konnte vorher fliehen, und Nachbarn alarmierten daraufhin die Polizei. Festnehmen konnte sie die Männer allerdings nicht mehr.

Der spanische Geheimdienst CNI soll zurzeit prüfen, ob die Männer eine Verbindung zur CIA und/oder dem südkoreanischen Geheimdienst NIS haben, der wiederum dem US-Pendant sehr nahe steht. Aus Ermittlungskreisen wollen mehrere spanische Medien wie El País, El Confidencial oder Público erfahren haben, dass vermutet wird, die Angreifer hätten im Auftrag des US-Geheimdienstes gehandelt, seien aber selbst keine Agenten. Bei El Periódico hieß es zudem, dass eine solche »Operation« nicht teuer sei. Eine Verbindung wurde von den USA gegenüber hohen Instanzen des CNI vehement dementiert.

Die Mitglieder des von der spanischen Presse sogenannten Kommandos seien vermutlich Süd- oder Nordkoreaner. Sie seien nur nach Madrid gekommen, um ihren Auftrag zu erfüllen: In die koreanische Botschaft eindringen und Informationen stehlen. Danach sollen sie das Land wieder verlassen haben. Mit Hilfe der Überwachungskameras versuchen die spanischen Ermittler die Personen zu identifizieren.

Eine andere These, die von der Polizei nicht ausgeschlossen wird, ist, dass Nordkorea selbst für die Attacke verantwortlich gewesen ist, denn bisher ist bei den spanischen Behörden keine Anzeige zu dem Vorfall eingegangen. Im November verschwand zudem der Botschafter Nordkoreas in Italien. Später stellte sich heraus, dass er desertiert war und mit seiner Frau Asyl in dem südeuropäischen Land beantragt hatte. Dennoch wird vom Nationalen Gerichtshof Spaniens, der unter anderem mit der Verfolgung von Terrorismus betraut ist, die These vertreten, dass beide Ereignisse nicht miteinander in Verbindung stünden.

Von den Behörden gab es bisher keine Aussage dazu, da die Ermittlung als geheim eingestuft wurde. Daher gibt es nur die Informationen, die an die Presse durchgesickert sind. Auch seitens Nordkoreas gab es keine öffentliche Erklärung. Lediglich der spanisch-nordkoreanische, inoffizielle Repräsentant des Außenministeriums der DVR Korea in Spanien, Alejandro Cao de Benós, erklärte gegenüber El Confidencial, dass es sich um organisierte Verbrecher gehandelt habe, die etwas stehlen wollten, aber keine politische Verbindung hätten. Die spanischen Ermittler glauben nicht daran.

Der Überfall fand nur fünf Tage vor dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un in Vietnam statt. Die entwendeten Dokumente sollen einen Bezug zu den bilateralen Friedensverhandlungen und den Bemühungen um eine nukleare Abrüstung Nordkoreas haben. Insbesondere Informationen über den früheren nordkoreanischen Botschafter in Madrid, Kim Hyok Chol, der die Gespräche vorbereitet und daran teilgenommen hatte, sollen Ziel des Überfalls gewesen sein. Kim war 2017 von Spanien in Reaktion auf die von Pjöngjang durchgeführten Nukleartests als Persona non grata deklariert worden.

Wenn sich die Informationen bewahrheiten sollten, dass die CIA hinter dem Angriff stecke, wäre das ein Bruch internationaler Gesetze und stellte die außenpolitischen Beziehungen zu den USA grundsätzlich in Frage. Spaniens Premierminister Pedro Sánchez und seine Regierung haben sich zu diesem konfliktgeladenen Vorfall bisher nicht geäußert.

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