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Aus: Ausgabe vom 16.03.2019, Seite 2 / Ausland
Erderwärmung

Globale Protestwelle

»Fridays for Future«: Jugendliche fordern Kurswechsel in der Klimapolitik
Lassen sich das Streiken nicht verbieten: Mehr als 10.000 Schüler bei der Demo in Berlin
»Fridays4Future« (#f4f) in Berlin am 15. März
»Fridays4Future« (#f4f) in Paris (15. März)
»Fridays4Future« (#f4f) in London (15. März)
Demonstranten bei »Fridays4Future« (#f4f) in Brüssel (15. März)
»Global Strike For Future« in Lund, Schweden, am 15. März
Streik ist Familiensache (Seoul, Südkorea am 15. März)

Hunderttausende Jugendliche haben am Freitag weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto »Fridays for Future« gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Prag, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten. Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Die Veranstalter sprachen von 300.000 Teilnehmern in Deutschland. Rund um den Globus waren mehr als 2.000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, hierzulande rund 200. Begonnen hatte die Protestwelle am frühen Morgen in Asien und Ozeanien, wo ebenfalls Zehntausende junge Menschen auf die Straßen gingen. Demonstrationen gab es etwa in Sydney, Bangkok, Neu-Delhi und Hongkong. Teilnehmer trugen dabei Plakate wie »Ihr zerstört unsere Zukunft« und »Wenn Ihr euch nicht wie Erwachsene verhaltet, tun wir es«. Auf Plakaten in Deutschland hieß es unter anderem: »Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht« und »Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet«.

Die Erde hat sich nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad erwärmt, in Deutschland noch etwas stärker. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Zu den Folgen gehören mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen stark reduziert werden. Bereits seit Monaten boykottieren in vielen Ländern weltweit junge Leute aus Protest gegen mangelnde Klimaschutzbemühungen einmal pro Woche den Unterricht. Unterstützung bekommen sie auch aus anderen Generationen. So haben rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen. Auch Eltern stellen sich mit »Parents for Future« an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf Schulverweise oder andere disziplinarische Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben. Lehrer und Sozialarbeiter einer Berliner Grundschule kamen gleich mit einer ganzen Klasse zum Protest.

Dass die Jugendlichen während der Unterrichtszeit streiken, kritisieren vor allem konservative Politiker. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) distanzierte sich von Protesten während der Unterrichtszeit. Der 26jährige CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor erklärte der Heilbronner Stimme (Freitagausgabe): »Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen«. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Spiegel. (dpa/AFP/jW)

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