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Aus: Ausgabe vom 14.03.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Das tut weh

Zu jW vom 8.3.: »Kritik unterbunden«

Als Trägerin des Göttinger Friedenspreises 2015 frage ich mich, warum es nicht damals schon Protest wie jetzt bei der Verleihung an die »Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost« gab, wo ich doch als »kriminellste Seniorin« bekannt bin, die bundesweit Sachbeschädigungen auch gegen öffentlich lange sichtbare judenfeindliche Hassbotschaften begeht (indem die Leserbriefschreiberin entsprechende Schmierereien entfernt, jW). Ich selbst war schon Zielscheibe von (…) Verleumdungskampagnen dieser Art! Dabei kann ich unter Beweis stellen, dass niemand von denen, die lauthals »Antisemitismus« schreien, so viele antisemitische Hassbotschaften in all den vergangenen fast 33 Jahren entfernt hat. Wer meint, mit »Sonntagsreden« (…) das Erforderliche gegen Antisemitismus getan zu haben, der irrt gewaltig! Menschenrechte einzuhalten gilt für alle, auch für Israel! Sie gelten selbstverständlich auch für die Palästinenser! Es kann und darf nicht sein, dass, wer für Menschenrechte einsteht, Ziel einer Hetzkampagne wie dieser wird! Es tut verdammt weh, erleben zu müssen, wie sich Menschen, »Demokraten« so instrumentalisieren lassen!

Irmela Mensah-Schramm, per E-Mail

Absolut angemessen

Zu jW vom 8.3.: »50 Prozent Frauen – wow!«

»Leider hat Strömquist nichts für Arbeiterführer übrig«: Wie kann man das behaupten? Das ist denklogisch Quatsch. Es gibt außer Marx und Stalin noch x andere Arbeiterführer, die sie nicht kritisiert: Lenin, Engels, Thälmann, Liebknecht ... Strömquist kritisiert auch das Verhalten dreier Popmusiker ihren Frauen gegenüber, das von Elvis Presley, John Lennon und Sting. Hat sie deshalb nichts für Popmusiker übrig? Sie kritisiert die Haltung von Edward Munch, Picasso und Jackson Pollock: Hat sie deshalb nichts für Künstler übrig? Strömquist ist eine Linke. Sie demontiert aber auch Mythen in den eigenen Reihen, weil sie konsequent aus feministischer Perspektive auf die Leute schaut, ohne Rücksicht auf deren offizielle Heiligkeit in der jeweiligen Szene. Das ist eine Stärke ihrer Arbeit und keine Schwäche, es sei denn, man lehnt den Feminismus ab und meint, verdienstvolle linke Männer dürfe Frau nicht kritisieren, weil die Immunität genießen. Dann wäre es aber kein echter Strömquist, sondern ein braver, langweiliger, politisch korrekter Comic ohne Pfeffer. »Marx kommt als Ehemann bei ihr unangemessen schlecht weg«: Ich halte es für absolut angemessen, es scheiße zu finden, dass Marx, der große Befreier der unterdrückten Massen, nach Gutsherrenart eine abhängig Beschäftigte (…) schwängert, während seine Ehefrau im Nebenzimmer hochschwanger liegt. Er mag ansonsten ein feiner Ehemann gewesen sein, aber wenn man das nicht kapiert, wie demütigend das für beide Frauen gewesen sein muss, dann sollte man besser die Klappe halten.

Katrin Jonas, per E-Mail

Gute Zeichnungen

Zu jW vom 6.3.: Beilage »Feminismus«

Könnte Xuehka nicht öfter für Euch arbeiten? Endlich einmal wieder gute Zeichnungen in der jungen Welt! Die von Thomas Richter vermisse sicher nicht nur ich schmerzlich. Seit von ihm keine Zeichnungen wegen seiner Krankheit mehr erscheinen, gab es nichts Vergleichbares. Rattelschneck ist bei weitem kein Ersatz. Xuehka schon! Wie wär’s?

Rudolf Sittner, Cottbus

Herrenreitermentalität

Zu jW vom 11.3.: »Nachschlag: Schön geredet«

Es gehört schon eine gehörige Portion Ignoranz und Dreistigkeit dazu, in bezug auf Venezuela von einem »echten Schaden an der Idee des Sozialismus« zu reden, den die Bolivarische Revolution angerichtet haben soll, während sich Katja Kippings eigene Partei Die Linke munter am neoliberalen Ausverkauf des gesellschaftlichen Eigentums beteiligt, wo immer sie an der Regierung beteiligt ist. Die immer häufiger anzutreffenden notorischen Besserwisser, die sich für links halten oder auch nur ausgeben, stehen mit ihrer Arroganz in nichts der bürgerlichen Herrenreitermentalität bundesdeutscher »Leitmedien« nach, wenn sie meinen, der Regierung in Venezuela Ratschläge erteilen zu müssen, während sich diese einem immer brutaleren Wirtschaftskrieg ausgesetzt sieht und eine militärische Intervention seitens der USA »auf dem Tisch« liegt. (…)

André Dolecek, per E-Mail

Mehr Relevanz

Zu jW vom 12.3.: »Doppelter Rückzug«

Sahra Wagenknecht mag zweifellos über herausragende intellektuelle und rhetorische Fähigkeiten verfügen, eine Teamplayerin war sie bislang nicht. Das ist nolens volens zu Lasten des politischen Erfolges ihrer Partei gegangen. Ihr Rückzug vom Fraktionsvorsitz kann also für Die Linke durchaus eine Chance auf eine breitere Profilierung und Relevanz in der Bundespolitik bedeuten. Insbesondere Katja Kipping und Dietmar Bartsch traue ich zu, soziale Politik zukunfts- und mehrheitsfähig zu gestalten.

Ira Bartsch, Lichtenau-Herbram

Geschwächte Linke

Zu jW vom 11.3.: »Wagenknecht: Rückzug von Linke-Fraktionsspitze«

Selten erhalten Linke-Politiker die Aufmerksamkeit, die Sahra Wagenknecht immer hatte. Mit Verstand und Klugheit war sie vielen anderen namhaften Politikern mehr als überlegen. Oft konnte ihr nur mit Unsachlichkeit und Diffamierungen begegnet werden. (…) Einige Talkshows werden ohne sie geistig noch leerer sein, noch mehr Unsinn wird verbreitet werden, ohne hinterfragt zu werden. (…) Die Partei Die Linke wird ihr Rückzug gewiss nicht anziehender oder gar stärker machen. Freude und Erleichterung, Wagenknecht verdrängt zu haben – das dürfte keine große Zufriedenheit bringen. Wer streitbar wie Wagenknecht auftritt und Widerspruch nicht scheut, ist wertvoller für seine Partei, als es beliebige, angepasste Mandatsträger sind, die linke Standpunkte nur noch in Form von Phrasen vertreten. Für die Partei, für die Politik im Lande ist es ein Verlust, eine Wagenknecht nicht mehr an der Spitze zu wissen.

Roland Winkler, Aue

Für die Partei Die Linke, für die Politik im Lande ist es ein Verlust, eine Sahra Wagenknecht nicht mehr an der Spitze zu wissen.