Gegründet 1947 Dienstag, 26. März 2019, Nr. 72
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.03.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Stellenabbau

Volkswagen will 7.000 Jobs streichen

VW Pkw will Profit um 5,9 Milliarden Euro jährlich steigern. Gespart wird beim Personal
Volkswagen_Produktio_60623270.jpg
Mitarbeiter montieren Kotflügel an einen Volkswagen Golf im VW Werk Wolfsburg (1.3.2019)

Der Volkswagen-Konzern will bei seiner Kernmarke VW Pkw in den nächsten fünf Jahren 5.000 bis 7.000 Angestellte entlassen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Wolfsburg mit. Die allgemeinen Sachkosten und der Personalbedarf in der Verwaltung sollten um 15 Prozent gesenkt werden. Grund für den Stellenabbau ist die Umstellung auf Elektro – in den kommenden zehn Jahren plant der Konzern rund 70 neue Elektromodelle auf den Markt zu bringen. Statt der bisher geplanten 15 Millionen sollen dann 22 Millionen elektrisch betriebene Fahrzeuge produziert werden, vier von zehn Autos sollen dann Elektroautos sein.

Das Problem: »Ein E-Auto lässt sich mit etwa 30 Prozent weniger Aufwand herstellen als ein Verbrenner«, sagte Konzernchef Herbert Diess am Dienstag. Markenchef Diess war 2015 von BMW geholt worden, um VW auf Effizienz zu trimmen. Routineaufgaben sollten automatisiert werden, um ab 2023 eine Gewinnverbesserung von 5,9 Milliarden Euro jährlich zu erzielen. »Das heißt: Wir werden Arbeitsplätze abbauen«, fügte Diess hinzu. Es werde schwer, dieses Ziel nur mit Fluktuation und Altersteilzeit zu schaffen. Finanzvorstand Arno Antlitz erklärte am Mittwoch wiederum, dass ein Abbau »entlang der demografischen Kurve« möglich sei, und verwies auf das große Potential durch Altersteilzeit für die Baby­boomer-Generation.

Das Management wolle bei seinen Sparmaßnahmen »konstruktiv« mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten. Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte, die Altersteilzeit solle nicht nur für Mitarbeiter in der Verwaltung, sondern auch in der Produktion offenstehen. Altersteilzeit könne es zudem nur nach dem Prinzip der »doppelten Freiwilligkeit« geben: »Die jeweilige Aufgabe muss entfallen, und betroffene Kolleginnen und Kollegen müssen früher in den Ruhestand wollen.« Andernfalls hätten sie Anrecht auf eine andere Aufgabe, die ihren Fähigkeiten entspricht - und für die sie, falls nötig, weitergebildet werden müssen. Osterloh verwies zudem auf die Beschäftigungssicherung, die noch »mindestens bis 2025« betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

In den kommenden drei Jahren rechnet der fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Ralf Brandstätter bei den wegfallenden Stellen insgesamt sogar mit rund 11.000 Arbeitsplätzen. Bereits 2016 hatte Volkswagen Kostensenkungen bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro festgelegt. Weltweit hatte das Unternehmen dafür die Streichung von 30.000 Stellen beschlossen, 23.000 davon in Deutschland. Hintergrund ist, dass VW derzeit viel Geld in moderne IT-Systeme investiert. Das Geld dafür möchte man beim Personal einsparen.

Mit den bisherigen Sparprogrammen habe VW bereits viel erreicht, sagte Brandstätter: »Aber wir müssen noch deutlich mehr tun, um die anstehenden Herausforderungen auch in der Zeit nach 2020 zu bewältigen.« Erst am Dienstag teilte die Volkswagen AG mit, sie sei auch 2018 weltgrößter Autobauer gewesen. Der Wolfsburger Konzern lieferte 10,8 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus. Das war ein Plus von knapp einem Prozent. Der Umsatz stieg um 6,3 Milliarden auf 235,8 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern legte mit 12,1 Milliarden Euro ebenfalls zu und übertraf das Vorjahresergebnis um rund sechs Prozent. (dpa/jW)

Mehr aus: Kapital & Arbeit