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Aus: Ausgabe vom 09.03.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Scharfer Eintopf

Von Ina Bösecke

»Für dich bin ich nur eine Wilde«, sagt Pocahontas im gleichnamigen Disney-Film (USA 1995, Regie: Michael »Mike« Gabriel und Eric Goldberg), der der berühmten Indianerfrau ein Denkmal sein will. »Wie kommt es, dass du so vieles gar nicht weißt?«, fragt die Titelheldin den englischen Abenteurer John Smith, der gerade in Jamestown (Virgina) mit einer goldgierigen Truppe an Land gegangen ist und den Ureinwohnern erklären will, wie die sogenannte zivilisierte Welt funktioniert. Wenigstens möchte er es nur erklären. Seine Kumpels roden indessen den Wald, graben auf der Suche nach Gold den Boden um und zerstören schon mal den Lebensraum der Ureinwohner.

»Das Farbenspiel des Windes« heißt das Lied, das Pocahontas hier singt, es ist das berühmteste des Films. Die Tochter des Indianerhäuptlings Powhatan erzählt in ihm von den Stärken der »Wilden«, die zwar weder mehrstöckige Häuser bauen noch Feuerwaffen herstellen können, dafür den Stellenwert von Pflanzen und Tieren respektieren und im Einklang mit der Natur leben. Tatsächlich berührt die junge Frau das Herz von John Smith, der will nun gar nicht mehr fremde Völker besiegen und unterwerfen, sondern zusammen mit Pocahontas den Ausbruch des Kriegs zwischen Kolonisatoren und Indigenen verhindern. Die beiden verlieben sich im Stil von Romeo und Julia, was die Dramatik steigert. Während der Versuch des berühmten Shakespeare-Paars, die verfeindeten Familien zu versöhnen, erfolglos blieb, schaffen es Pocahontas und Smith tatsächlich in letzter Sekunde, den Krieg zu verhindern. Die Indianer erkennen in Smith einen Gleichgesinnten, die goldhungrigen Engländer sehen ein, dass sie im Land der Indianer nichts zu suchen haben. Das Ende des Films ist also kitschig und geschichtsverfälschend, es ist aber nötig, um Kindern vorzugaukeln, dass Menschen lernfähig sind.

Nordamerikanische Ureinwohner aßen einheimische Früchte und jagten die Wildtiere ihrer Gegend. Außerdem domestizierten sie Truthühner und bauten Bohnen, Kürbisse, Mais, Tomaten, Auberginen, Paprika und Chilis an. Ein typisches Gericht von Pocahontas und ihren Leuten könnte folgender scharfe Eintopf mit Auberginen, Tomaten und Koriander gewesen sein:

Zwei Auberginen in kurze, dicke Stücke schneiden. In ein Sieb geben, großzügig mit Salz bestreuen, für eine halbe Stunde stehen lassen. Ein daumengroßes Stück Ingwer schälen, fein hacken, ebenso vier Knoblauchzehen. Zusammen mit dem Saft einer Zitrone in einen Standmixer geben, zu einem glatten Mus pürieren. Vier Tomaten in große Stücke, zwei kleine, scharfe rote Chilischoten in dünne Ringe schneiden. Ein großes Bund Koriander grob hacken. Salz von den Auberginen abspülen, Stücke trocken tupfen. Vier EL Erdnussöl in einer großen Pfanne erhitzen. Auberginenstücke hineinwerfen, anbraten bis sie goldbraun sind. Knoblauch-Ingwer-Paste hinzufügen, umrühren, bis alles davon bedeckt ist. Tomaten und Chilis unterrühren, ebenso Koriander und vier EL Wasser. Salzen, fünf Minuten köcheln lassen. Abschmecken, mit Brot oder Reis servieren.

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