Gegründet 1947 Donnerstag, 25. April 2019, Nr. 96
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 08.03.2019, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Spekulanten

Mieter um eine Milliarde geprellt

Vonovia erzielt 2018 Rekordgewinn. Mieterbund kritisiert Geschäftsmodell
Von Simon Zeise
Wohnblock in Berlin-Mitte
Wohnblock in Berlin-Mitte

Der mit Abstand größte Wohnungskonzern in Deutschland, Vonovia, hat 2018 ein Rekordergebnis eingefahren. Durch Zukäufe im Ausland und steigende Mieteinnahmen haben die Gewinne des Unternehmens nach Zinsen und Steuern erstmals die Marke von einer Milliarde Euro durchbrochen. Mit 1,07 Milliarden Euro legte der Dax-Konzern im Jahresvergleich um 16 Prozent zu. Die Aktionäre können sich über eine Dividende von zwölf Cent auf 1,44 Euro je Aktie freuen, teilte Vorstandschef Rolf Buch am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf mit.

Die Einnahmen stiegen um rund 13 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Miete erhöhte sich um rund vier Prozent auf 6,52 Euro pro Quadratmeter. Buch sagte, »das sind keine Luxusmieten«. Vonovia sei »kein Preistreiber, weder im Bestand noch bei Neuvermietungen«. Im vergangenen Jahr seien die Mieten nach Sanierungen im Schnitt um 1,50 Euro pro Quadratmeter erhöht worden.

Der Deutsche Mieterbund sieht das anders. Gegenüber jW sagte Geschäftsführer Ulrich Ropertz am Donnerstag, die Gewinne würden auf Kosten der Mieter erwirtschaftet. Vonovia habe den Wohnungsbestand zwischen 2013 und 2018 verdoppelt, im gleichen Zeitraum den Marktwert der Wohnungen allerdings vervierfacht. Der Gewinn dürfte im vergangenen Jahr so hoch ausgefallen sein, weil keine Beschränkungen für Preissteigerungen existierten. Rund 66 Prozent des Gewinns seien auf Mieterhöhungen durch Modernisierungen zurückzuführen. Da sich jedoch zahlreiche Mieterinitiativen gegen die Spekulationsgeschäfte gewehrt hätten, habe die Bundesregierung reagiert und die Möglichkeiten der großen Wohnungskonzerne eingeschränkt: Die Preise dürfen seit diesem Jahr nur noch um acht und nicht um elf Prozent und somit um bis zu drei Euro pro Quadratmeter angehoben werden, hob Ropertz hervor. Vonovia hatte 2018 noch vier bis fünf Euro pro Quadratmeter zusätzlich verlangt.

Der Konzern will weiter zulegen: Nach 1.100 Wohnungen im vergangenen Jahr sollen 2019 mindestens 2.000 Einheiten fertiggestellt werden. »Es liegt nicht an den Grundstücken und nicht am Geld«, sagte Vorstandschef Buch. Vonovia vermietet insgesamt rund 400.000 eigene Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.

Mehr aus: Kapital & Arbeit