Gegründet 1947 Dienstag, 26. März 2019, Nr. 72
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 07.03.2019, Seite 1 / Titel
Firmenimperium

Clan plant Kahlschlag

Milliardärsfamilie Schaeffler setzt Rotstift an. 900 Arbeitsplätze betroffen. Ziel: Dividende halten. IG Metall: Betriebsschließungen verhindern
Von Simon Zeise
Schaeffler_will_in_D_20721371.jpg
Maria-Elisabeth Schaeffler trimmt ihr Imperium auf Profit

Sie gehören zu den reichsten Deutschen: Am Mittwoch ließen die Eigentümer der Schaeffler-Gruppe, Maria-Elisabeth und ihr Sohn Georg Friedrich Wilhelm, schlechte Nachrichten für die Beschäftigten verkünden. Das Firmenimperium mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach will 900 Stellen streichen – 700 davon in Deutschland.

Einen Großteil ihrer Gewinne streicht Familie Schaeffler über Autozulieferer ein. Doch mit der deutschen Autoindustrie geht es bergab. In diesem Jahr rechnet der Branchenverband VDA mit einem Rückgang der Inlandsproduktion um rund fünf Prozent.

In einem ersten Schritt eines bis 2024 angelegten Programms will Schaeffler deshalb Einsparungen von 90 Millionen Euro erzielen. Vorstandschef Klaus Rosenfeld gab am Mittwoch den Kurs vor: »Bei unserem neuen Effizienzprogramm geht es ums Bremsen und Gasgeben gleichzeitig.« Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass weitere Kürzungsrunden nötig sein könnten. »Standorte zu konsolidieren heißt nicht, sie einfach kalt zu schließen«, sagte Rosenfeld. Auch Verkäufe von Randaktivitäten aus den Bereichen Motoren- und Getriebesysteme seien denkbar, hieß es. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollten vermieden werden.

Bei den Schaefflers hängt der Haussegen nicht erst seit Mittwoch schief. Wie das Managermagazin im Oktober 2018 berichtete, ist das Vermögen des Clans binnen eines Jahres um fünf Milliarden Euro geschrumpft. Waren Mama und Sohn 2017 noch die drittreichsten Deutschen, landeten sie im vergangenen Jahr nur noch auf Rang sechs – welche Schmach. Mit 21 Milliarden Euro unter dem Kopfkissen werden Maria-Elisabeth und ihr Georg dennoch gut schlafen.

Die Beschäftigten werden sich hingegen nicht so weich betten können. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren mehrere Kürzungsrunden gestartet, um die Profitabilität zu steigern. Zuletzt war der Umbau im Bereich mit Wälzlagern betroffen, dem weltweit rund 950 Stellen zum Opfer fallen dürften, davon rund 450 in Deutschland. Zuvor hatte Schaeffler die lange schwächelnde Industriezuliefersparte und weitere kleine Bereiche auf mehr Rendite getrimmt, wodurch bereits fast 1.000 Arbeitsplätze wegfielen. Auch in Großbritannien strafft Schaeffler die Produktion und legt Werke zusammen.

Der Gesamt- und Konzernbetriebsrat sah schon im vergangenen Oktober »eine Schmerzgrenze überschritten«. Die Organisation wie auch die Mitarbeiter seien »von so vielen Veränderungen überfordert«. Die Beschäftigten fragten, wie die Arbeit mit ausgedünnter Personalausstattung bewältigt werden soll? Durch die Kürzungsprogramme werde den Beschäftigten vermittelt: »Unsere Arbeit ist nichts wert!« Bislang wissen die Mitarbeiter noch nicht genau, was ihnen blüht. Die IG Metall teilte mit, die Beschäftigten seien »besorgt« und forderte das Management am Mittwoch auf, die Belegschaften rechtzeitig und umfassend zu informieren. Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen müssten vermieden werden. Der Vorstand sei in der Pflicht, eine Strategie zu entwerfen, mit der in Zukunft Geld verdient und die Beschäftigung gesichert werden könne.

Die Schaeffler-Aktie fiel am Mittwoch um fast neun Prozent – Maria-Elisabeth und ihr Lieblingssohn werden es verschmerzen.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Emil Schaarschmidt: Private Taschen Private Aneignung gesellschaftlich geschaffenen Mehrwertes: Mit den Dividenden wandern Millionen Euro in die privaten Taschen derer, die nicht einen Finger dafür krumm gemacht haben!...