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Aus: Ausgabe vom 06.03.2019, Seite 10 / Feuilleton

Kunert, Hachfeld, Lushina

Von Jegor Jublimov
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Weiter ungeheuer produktiv: Günter Kunert wird 90

Er ist Lyriker, Filmautor, Reiseschriftsteller, Verfasser von Kurzprosa, Grafiker, Bildhauer, und kurz vor seinem heutigen 90. Geburtstag hat Günter Kunert seinen zweiten Roman vorgelegt. »Die zweite Frau« entstand schon Mitte der 70er Jahre während eines England-Aufenthalts, wurde aber zwischenzeitlich vergessen. Gründliches Aufräumen hilft! Damals war in der DDR keine gute Zeit für Satire, und Kunert bot das Manuskript lieber gar nicht erst an. Statt dessen erschien 1978 der nachdenkliche Reisebericht »Ein englisches Tagebuch«. Der Sohn einer jüdischen Mutter war ein guter, aber auch skeptischer Genosse, den man nach seinem Protest gegen Wolf Biermanns Ausbürgerung erst aus der Partei und dann aus der DDR entließ. Seither lebt der Katzenfreund beständig bei Itzehoe, wo er als Autor, aber auch in der bildenden Kunst ungeheuer produktiv ist. Bis 5. Mai kann man in Hannover viele seiner oft ironischen Arbeiten in der Geburtstagsausstellung des Wilhelm-Busch-Museums betrachten.

Eine Ausstellung zum 80. Geburtstag am Sonnabend hat auch Rainer Hachfeld verdient. Der mit politischer Klarsicht und grafischer Brillanz gesegnete Zeichner hat wie Kunert viele Talente. Er war Dramaturg, Trickfilmzeichner, Jazzmusiker (Tenorsaxophon), Dramatiker (besonders Jugendstücke), Bühnenbildner, aber vor allem Karikaturist. Mit der Großen Koalition in Bonn zwischen Kurt Kiesinger (CDU) und Willy Brandt (SPD) begann 1966 auch Hachfelds Pressearbeit, zunächst beim Spandauer Volksblatt in Westberlin, bald darauf beim linken Berliner Extra-Dienst. Spätestens seit Salvador Allende 1970 in Chile die Regierung übernommen hatte, engagierte er sich für die Befreiung der Völker Lateinamerikas, wo bis heute viele seiner parteilichen Zeichnungen nachgedruckt werden. »Die Sprache dieser Karikaturen ist zerstörend«, schrieb Antonio Skármeta. »Sie erinnert stark an Macheten, Hämmer und Sicheln, die dort reichlich vorkommen. Sie will den Gegner gar nicht erst touchieren oder abtasten, sondern sucht schon beim ersten Schlagabtausch den Hieb, der ihn auf die Matte schickt.« Diese Kraft hat Hachfeld bis in jüngste Zeit behalten.

Im sozialistischen Film wurden keine Stars aufgebaut, und so konnte es eigentlich auch kein Traumpaar geben. Trotzdem war das Publikum nicht nur in der DDR fasziniert von dem Zusammenspiel von Otto Mellies und Larissa Lushina, dem Berliner und der Leningraderin, die vorgestern 80 Jahre alt wurde. Nach ihrer Doppelrolle in dem Fünfteiler »Dr. Schlüter« (1965) war sie in »Begegnungen« (1967), »Frühlingswogen« (1968) und »Adelsnest« (1969) im DFF Partnerin des vielgeliebten Mellies. In ihrer Heimat spielte sie Theater und in über 60 Filmen, zuletzt in dem melancholischen Streifen »Wo einst die Finken sangen« (2017).

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