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Aus: Ausgabe vom 05.03.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Kein Versehen

Anne Will | So., 21.45 Uhr, ARD
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Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst nicht nur – sie ist auch politisch gewollt, allen hehren Absichtserklärungen der üblichen Diskutanten bei »Anne Will« zum Trotz

Am Sonntag abend standen im Ersten die kleinen Leute im Mittelpunkt. Im »Tatort« beging eine innerlich von Neid und Hass auf die reichen Nachbarn zerfressene Supermarktkassiererin einen brutalen Mord, als sie versuchte, an deren vermeintlichen Lottogewinn zu gelangen. Im Anschluss wandte sich Anne Wills Talkshow der Frage zu, was angesichts der überhandnehmenden Altersarmut zu tun sei. Dabei zeigte sich, dass die Vertreter der Unterklassen nicht unbedingt derart auf den Kopf gefallen sein müssen wie die Antiheldin im Krimi. Im Gegenteil war die Gewerkschafterin und Linken-Kämpferin Petra Vogel, die sich mit dem spärlichen Einkommen einer Putzhilfe über Wasser hält, die einzige in der erlauchten Runde, die überhaupt Vernünftiges beizutragen hatte. So stellte sie mit ihrer Frage, warum nicht grundsätzlich alle in die Sozialkassen einzahlen, auch Beamte, Politiker, Freiberufler, klar, dass die vielbeklagte »Spaltung der Gesellschaft« kein Versehen, sondern von Anfang an gewollt ist. (jt)

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