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Aus: Ausgabe vom 05.03.2019, Seite 5 / Inland
Arbeitskampf

Protest gegen Standortverlegung

Arbeiter wehren sich gegen Schließung von Berliner Infinera-Werk
Von Efthymis Angeloudis
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Beschäftigte von Infinera demonstrieren vor Brandenburger Tor gegen Schließung des Berliner Werks (4. März 2019)

Etwa 200 Mitarbeiter des Hochtechnologieunternehmens Infinera demonstrierten am Montag vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen die Schließung der Berliner Infinera Produktionsstätte. Der US-amerikanische Eigentümer des ehemaligen Nokia-Siemens- und dann Coriant-Betriebes hatte nur vier Monate nach dem Kauf verkündet, den Standort mit seinen 400 Beschäftigten komplett zu schließen. Die Produktion soll nach Thailand verlegt werden. Damit drohen, laut IG Metall, nicht nur der Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch Lücken in der Sicherheit digitaler Infrastruktur. Optische Übertragungssysteme, wie sie in der Hauptstadt hergestellt werden, sind enorm wichtig für den Ausbau des 5G-Netzwerkes.

Erst im Oktober hatte die US-Firma Infinera den deutschen Konkurrenten Coriant aufgekauft. Sie rückte damit auf den zweiten Platz in der Weltrangliste der Hersteller optischer Übertragungssysteme – den ersten Platz belegt die chinesische Firma Huawei. Der chinesische Technologiekonzern hat jüngst Interesse an dem Ausbau des 5G-Netzes in Europa bekundet. Die Bundesregierung zeigte sich aber misstrauisch gegenüber der Annäherung aus Fernost. Huawei wird vorgeworfen, im Sinne der Regierung in Beijing zu handeln, ein Beweis für diese Unterstellung wurde bis jetzt jedoch nicht erbracht. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) forderte die Bundesregierung am Montag auf, eine schnelle Entscheidung im Umgang mit Netzwerkausrüstern wie Huawei zu treffen.

Priorität der Bundesregierung sei es, sicherheitsindustrielle Schlüsseltechnologien, wie optische Übertragungssysteme, in Deutschland zu erhalten, allerdings richten sich die staatlichen Abwehrmaßnahmen in der BRD und in der Europäischen Union offensichtlich primär gegen das unerwünschte chinesische Unternehmen. Dabei wurde gerade durch den Verkauf von Coriant an Infinera die Produktion wichtiger Netzwerktechnologie in Deutschland aufgegeben.

In einer Mitteilung der IG Metall heißt es, dass zudem »ein erheblicher Teil der Sicherheitsarchitektur«, die für »sicherheitsrelevante Kunden wie Behörden oder Bundeswehr« gefertigt werde, dann »für immer verloren« sei. Auch die Verhandlungen mit Infinera hätten bis jetzt nichts Substanzielles ergeben. Deren Verhandlungsführer Burkard Göpfert habe die Gespräche für gescheitert erklärt, um juristisch den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen.

Dadurch steigt die Wut der Beschäftigten auf die Infinera-Eigner. Sie wollen nicht nur ihre Arbeitsplätze sondern laut IG Metall auch die Produktionsstätte für die wichtige Technologie, die für den Ausbau von 5G benötigt wird, weiterhin in Berlin behalten. Mehr als 4.200 Unterschriften hat die Gewerkschaft bereits in einer Petition gegen die Schließung des Infinera-Werkes gesammelt.

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